Ich habe einen neuen Kumpel hier im Wohnheim.
Sein Name ist Frank (sprich Fränk), aber ich nennen ihn lieber „laughing bighead Bob“.
Hier ein zwei Fotos!


Ich habe einen neuen Kumpel hier im Wohnheim.
Sein Name ist Frank (sprich Fränk), aber ich nennen ihn lieber „laughing bighead Bob“.
Hier ein zwei Fotos!


Ich weiß es ist schon spät und ich sollte es vielleicht lieber morgen machen, da morgen früh noch ein Test ansteht, aber als ich so über meinen Materialien für das Take-home-exam für „Families and Sexualities in Japan“ saß, kam mir wieder etwas in den Sinn, über das ich schon eine ganze Weile sinniere und was auch neulich durch mein Gespräch mit Udaka-Sensei (Bericht über mein Treffen folgt noch) wieder neuen Treibstoff bekommen hat.
Sofern man sich in Japan nicht mit vollkommen verschlossenen Augen bewegt, müssen einem früher oder später unvermeidlich diverse Steinstatuen auffallen, welche zumeist mit einem roten Lätzchen oder einem Mützchen bewehrt sind und vor denen häufig ein paar 100 Yen-Stücke liegen.
Die Figuren müssen nicht mal komplett ausgestaltet sein, oder können gar nur bloße Steinklötze sein, so oder so handelt es sich dabei jedoch um Jizô-Bôsatsu, den Ksitigarbha Bodhisattva (sanskrit).
Dieser existiert im buddhistischen Glauben in 6 Formen, eine für jede Welt im buddhistischen Universum (Hölle, hungrige Geister, Bestien, wütende Geister, Menschen und himmlische Geschöpfe), in denen er versucht die dort lebenden Geschöpfe vor Unheil und Katastrophe zu bewahren, ihnen bei der Erleuchtung zu helfen und sie so zu erlösen.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben (was den Volksglauben angeht) ist die Mithilfe beim Bau von Stein-Stupas (= kleine Pagoden), welche die Geister toter Kinder in einem trockenen Flussbett in der Hölle jeden Tag errichten müssen und welche jede Nacht aufs neue wieder zerstört werden.
Man opfert dem Jizô Kinderkleidung (daher Lätzchen und Mützchen), aber auch Spielsachen oder eben Geld, wenn man ihn darum bitten möchte, Obacht über ein totes Kind zu haben. So findet man häufig an Straßenkreuzungen an denen schon Unfälle passiert sind Jizô-Statuen, unter anderem auch, um diese liminalen Stellen zukünftig vor Unheil zu bewahren.
In den letzten 3 Jahrzehnten hat sich hierzu noch die Praxis des mizuko kuyô 水子供養 „Wasserkinder-Andacht“ entwickelt, womit die Tempel (allen voran jene der Jôdo Shin-shû) den steigenden Abtreibungsraten begegnen wollten. Hierbei bezahlt man in einem Tempel für eine Andacht des Kindes, oder kauft kleine Jizô-Statuen, welche man zur Erlösung des Kindes aufstellt (was erreicht sein soll, wenn das rote Lätzchen verblasst ist).
Man mag dies modernen „Ablasshandel“ nennen, allerdings empfinde ich das nicht so. Udaka-Sensei sprach mit mir über all die Seelen, welche in den vielen Kriegen der Menschheitsgeschichte (vergangen wie aktuell) keine Erlösung finden, weil sie unter den allerschlimmsten Umständen aus der Welt gerissen wurden.
Wenn nun also die Andacht an das Ungeborene Kind helfen kann, wenigstens eine Seele aus diesem riesigen Pool zu retten, wieso nicht? Sofern die richtige Einstellung vorhanden ist und dies nicht wirklich wie eine Art Ablass missbraucht wird, finde ich diesen Brauch sehr rührend.
Unsere katholische Kirche hat sich das etwas einfacher gemacht und den Ort an dem die armen Seelen ungetaufter Kinder Jahrhunderte lang verweilen mussten einfach als nichtig erklärt und somit allen ungetauften Kindern ihren Segen ausgesprochen.
Ich hoffe, niemals in eine Situation zu kommen, in der ich selbst einen Jizô aufstellen muss, doch sollte dies doch eintreffen, werd ich mein Vertrauen in ihn setzen!
おん かかか びさんまえい そわか!
Oh, wandernder Einer, Svâhâ!
Die folgenden Jizô habe ich alle im 浅草寺 sensôji, dem Kannon geweihten Tempel in Asakusa (ebenfalls 浅草, allerdings rein japanische Lesung) aufgenommen.
Am Samstag waren Ronja, der Rest der „Tee-Mädels“ und ich bei der Lehrerin ihrer Lehrerin zum Kochen eingeladen. „Shôko-Sensei“ wie sie liebevoll genannt wird ist eine leicht bejahrte, freundliche Omi, die die Mädels hie und da immer mal wieder begroßmuttert hat, in Ermangelung eigener Enkel.
Auf dem Speiseplan standen:
- Flädlesuppe
- Hühnerfrikassee mit Kartoffelbrei
- Apfelkuchen
Natürlich alles selbst gemacht aus frischen Zutaten.
Diese kauften wir morgens in Ebina ein und obwohl wir für 10 Personen kochen sollten, kamen wir mit umgerechnet gerade Mal 40 Euro auf eine recht niedrige Summe. Sogar weißen Spargel haben wir bekommen, auch wenn der in Japan etwas kleiner ist als in Deutschland.
Als wir alles geholt hatten machten wir uns auf zu Shôkos Haus, was auf Grund der hohen Temperaturen an dem Tag (ich schätze mal an die 35°) eine echte Qual war. Ein Eis auf dem Weg verschaffte leider nur kurzzeitige Linderung… war aber trotzdem lecker.
Am Zielort angekommen ereilten uns die ersten Schocks. Es galt für mehr Leute zu kochen als geplant, die Küche der lieben Shôko war, um freundlich zu bleiben, katastrophal schlecht bestückt (ich glaube selbst in Ronjas alter Wohnung in Mitte konnte man besser kochen) und ständig wuselten einem ältere und jüngere Japaner vor den Füßen herum und schauten einem auf die Finger. Nun muss ich zugeben, dass ich natürlich auch die ein oder andere Show-Einlage beim Kochen dabei hatte (schnelles Gemüse-Schneiden, Pfannkuchen in der Luft wenden – wie auch sonst ohne Bratenwender? – usw. ), allerdings ist es doch ganz schön anstrengend unter ständiger Beobachtung zu arbeiten. Zum Glück ließ das nach einiger Zeit nach.
Das Schlimmste an allem war allerdings die MEGA-HITZE die sich in der winzigen Kochnische bildete. Kein Wunder, liefen doch zwei Gas-Herdplatten, ein Mikrowellen-Ofen und keine Klimaanlage. So stieg die Temperatur nach kurzem auf geschätzte 45° und dank der Dämpfe aus den brodelnden Töpfen stand ich im Nu in meiner eigenen kleinen Sauna.
Gejammert wurde allerdings nicht, dafür war eh keine Zeit. Die Mädels arbeiteten an ihrem Kuchen (hm, Teig anrühren ohne Rührgerät… war genauso lustig wie Flädle-Teig anrühren ohne Schneebesen) und arbeiteten mir fleißig zu (zumindest das Bisschen was ich sie machen ließ).
Ein weiteres Problem stellten für mich einige der japanischen Zutaten dar. Der Spargel war so klein, dass man beim Schälen aufpassen musste, dass er sich nicht in Luft auflöste und das Mehl welches ich zum Abbinden des Frikassee nehmen wollte band nicht! Das trieb mich tatsächlich fast in den Wahnsinn… ich hatte extra eine Mehlschwitze aufgesetzt und als das nicht half eine Sukzessive nach der anderen in die Sauce gekippt… vergeblichst! Am Ende verschwand glaube ich gut ein viertel Pfund Mehl in dem Kochtopf ohne merklichen Erfolg. Ein Ei half ebenso wenig, sodass ich persönlich die Konsistenz etwas zu flüssig fand, doch in Verbindung mit dem Kartoffelbrei (ich wollte ja Reis dazu… wurde aber überstimmt) war es halbwegs erträglich. Der Geschmack war relativ gut, dank des Spargels und des Weins den ich ins Frikassee gab.
Nach etwa insgesamt 2 1/2 Stunden war es dann soweit und wir konnten endlich essen.
Zum Essen gab es Weißwein den Shôkos Mann noch aus Deutschland hatte (ein Pfälzer?) und alles in allem hatte es einen sehr heimeligen Touch.
Zum Ende wurden wir noch von Shôko gebeten, dass jeder doch ein haiku, ein japanisches Kurzgedicht mit der Silbenfolge 5-7-5 schreiben möge.
Da die Mädels da ein wenig gehemmt waren, fing ich an und schöpfte aus den vollen meines spontanen Selbst. Das Ergebnis schreib ich hier mal nieder:
白雲や………………..しらぐもや……………shiragumo ya…………Die weißen Wolken – ach,
過去の歓喜に………..かこのかんきに…….kako no kanki ni…….für vergangene Freuden,
悔悟無し………………かいごなし………….kaigo nashi……………gibt es keine Reue.
Vielleicht nicht das allerbeste haiku, aber mein erstes auf Japanisch und ich finde es ist ganz gut geworden.
Darüber hinaus habe ich an dem Tag mal wieder gemerkt, wie gut mir das Kochen tut und was für einen hohen meditativen Aspekt das für mich hat, was auch ein Grund dafür sein dürfte, warum ich lieber alles alleine mache wenn „ich koche“, weil es mir hilft mich voll zu entspannen (trotz enormer Hektik) und mich voll und ganz in der Sache zu verlieren. Kochen ist mein Zen.
Bevor wir gegangen sind gab es noch ein paar Abschiedsfotos und was bei keinem Besuch bei einer lieben Omi fehlen darf, GESCHENKE! ![]()
Japanische Besait-Bonbons und japanisches Papier auf welchem man bei der Teezeremonie die Süßigkeiten präsentiert.
Ob ich auf die Bitte mich bei Problemen bei ihr zu melden zurückkommen werde weiß ich noch nicht. Erstens hoffe ich natürlich keine Probleme in Japan zu bekommen und zweitens verstehe ich diesen Spruch lieber als das was er im Allgemeinen darstellt, nämlich eine, mehr oder weniger, nix sagende Floskel. Selbst wenn es hier vielleicht ernst gemeint ist. – Man will ja niemandem zur Last fallen. – Aber auf einen Tee könnte ich dann vielleicht doch nochmal…
So, dieses Wochenende war, wie noch so einige andere, mal wieder stark vom Nô geprägt.
GUTES NÔ
Ronja war ja so lieb mir zwei Karten für eine Vorstellung im Kanze-Nô-Theater zu schenken und ohne so recht zu wissen, worauf sie sich da eigentlich einlässt, wagte sie es mit mir „Utou“ 善知鳥 zu gucken.
Natürlich war das nicht das einzige Stück. Eingeleitet wurde das ganze durch einen Auszug aus einem anderen Stück (leider unbekannt), dann kam das Stück „maki ginu“ 巻絹, in dem es um einen Boten geht, der eine Rolle Seidenbrokat von der Hauptstadt nach Kumano bringen soll und dabei von einer Gottheit aufgehalten wird. Die Story erschloss sich mir nicht wirklich. Ich habe mir vor Ort den Text des Stückes gekauft und werd den bei Gelegenheit nochmal überfliegen…
Das witzige an diesem Stück war, dass man hier den Ai-Kyôgen, also den Darsteller, welcher ein kurzes gesprochenes Zwischenstück präsentieren soll, tatsächlich durch einen Kyôgen-Darsteller spielen ließ und dieser vor allem auch in der fürs Kyôgen typischen Art geredet hat, was irgendwie witzig und ungewöhnlich anmutete. Normaler Weise werden Kyôgen (als eigene Gattung) und Nô nämlich strikt getrennt. Auch das Kostüm war ein typisches Kyôgen-Kostüm und kein „einfacheres“ Nô-artiges Kostüm für Ai-Kyôgen-Spieler. Aber in den Punkten kann ich mich auch irren. Es war halt nur der Punkt, der mir an dem Stück am stärksten ins Auge sprang.
Hieran schloss sich das Kyôgen-Stück(eine Art japanische Farce) „hagi daimyô“ 萩大名 „der Kleefürst“ an , welches ziemlich witzig war, auch wenn ich nicht alles verstanden habe (ist immerhin auch nicht grade modernes Japanisch welches sie dort sprechen und da es in dem Stück um Waka-Dichtung geht… wer rafft das schon völlig?
), war es doch recht witzig. Es geht darum, dass ein Fürst mit seinem Diener einem Edelmann einen Besuch in dessen Teehaus abstatten will. Dieser ist ein Freund von Waka-Gedichten. Da der Fürst nun nicht als dumm dastehen möchte, fragt er seinen Diener Tarô-Kaja (üblicher Weise ist dies der Name des Dieners. Tarô ist hierbei so ähnlich wie das deutsche „Hinz und Kunz“, also ein jedermann), ob dieser ihm nicht etwas in Waka-Dichtung unterrichten kann. Dies tut dieser auch und der Fürst ist nun sicher, sich nicht zu blamieren.
Selbstverständlich tut er dies aber doch und so verlässt Tarô beleidigt die Bühne und überlässt den Fürsten seiner eigenen Dummheit…
So unglaubwürdig das auch sein mag, aber der Militär-Adel im alten Japan hatte durchaus die Fähigkeit sich selbst auf die Schippe zu nehmen, was man daran sehen kann, dass es viele Stücke wie dem oben beschriebenen gibt, in welchen die obersten dieser Gesellschaftsschicht durch den Kakao gezogen werden, teilweise sogar von ganz einfachen Bauern.
Das besondere an diesem Kyôgen war, dass hier sowohl Nomura Manzô (momentanes Oberhaupt der Nomura-Familie) und Nomura Man gespielt haben. Die Nomura-Familie betreibt schon seit über drei Jahrhunderten Kyôgen-Theater und ihr momentan wohl bekanntester Sprößling dürfte Nomura Manzai sein, der schon in Kurosawas „Ran“ (wenn auch als Nebendarsteller) mitspielte und neuerdings als Abe no Senmei in Onmyôji 1 & 2 zu sehen war.
Nach dem Kleefürsten gab es noch zwei weitere Tanzstücke und dann ging es los mit „Utou“.
Die Story des Stückes im groben Umriss ist in etwa so:
Ein Mönch ist auf Wanderschaft. Trifft einen wunderlichen alten, geht auf dessen bitten zum Haus eines gestorbenen Jägers und spricht dort mit dessen Witwe und deren Kind. Dann taucht der Geist des Jägers auf und nach einigen sehr dramatischen Tanz-Szenen und Attacken verschwindet dieser wieder und das Stück ist vorbei.
Mir hat es ganz gut gefallen, vor allem die energischen Parts gen Ende, allerdings hat mich gestört, dass sie Teile ausgelassen oder gekürzt haben. Das mag nun nicht so auffallen, weil man eh kaum versteht was da gesungen wird, doch wenn man den Text in der Hand hält und immer wieder springen muss weil etwas ausgelassen wurde, dann nervt mich sowas, zumal ich eh gegen das Einkürzen im Allgemeinen bin, egal ob Film oder Theater.
Der Tag war also ziemlich voll geladen mit Theater und auch wenn Ronja die ein oder andere Minute mal „ihre Augen ausruhte“, denke ich war es doch eine ganz nette Erfahrung. Ich hatte zumindest meinen Spaß!
Im Anschluss gingen wir noch etwas essen und Ronja half mir dabei mir eine neue kleine Tasche zu kaufen, die ich nun benutze wenn ich irgendwo unterwegs bin um Fotos oder sonstiges zu machen, damit ich nicht ständig meinen Rucksack mit rumschleppen muss, andererseits aber auch Platz für meinen Fotoapparat, mein Elektro-Wörterbuch, ein Buch zum lesen in der Bahn und mein Portemonnaie habe, sodass ich das nicht ständig alles in meinen Hosentaschen spazieren tragen muss.
SCHLECHTES NÔ
Am Sonntag ging es bei mir dann um die Wurst.
Es war „Bühnen-Training“ vom Zirkel angesagt. Jedenfalls war es das, was ich dachte. Herausstellte sich aber, dass es das alljährliche Treffen der Nô-Zirkel nach der Kanze-Schule 観世流 war, an dem die Hôsei, die Tôdai, die Waseda, die Ichi-Bashi und noch eine Mädchenschule deren Name mir grad nicht einfällt teilnehmen.
Es waren etwa 60 Nô-Praktizierende in dem kleinen traditionellen Theater anwesend und jedes Mitglied einer Gruppe führte einen Tanz, bzw. zwei Gruppen sogar halbe Stücke mit Instrumenten auf.
Ich sollte „Yuya“ 熊野 aufführen, das Stück welches ich seit meinem Eintritt in den Zirkel geprobt habe. Ich hatte mir anlässlich dieses Ereignisses extra Kimono und Hakama (Hosenrock), sowie Unterkimono besorgt und war auch ziemlich aufgeregt als ich erfuhr, wie groß die ganze Geschichte eigentlich doch war.
Es liefen drei Kameras mit und mein Auftritt rückte näher und näher.
Als ich dann endlich dran war, war ich tierisch aufgeregt. Ich hörte mein Herz so laut schlagen wie lange nicht mehr und obwohl zumindest meine Stimme laut und deutlich im Vibrato durch den kleinen Saal schallerte, kam ich an einer Stelle ins Stocken und so geschah es, dass ich eine Bewegung vergaß, was dazu führte, dass ich die Hälfte des Tanzes spiegelverkehrt aufführte, bis zu einem Punkt, an dem ich es wieder korrigieren konnte. Der Rest lief dann wie in Trance und nachdem ich noch ein wenig die Etikette missachtet hatte (welche man mir leider erst 5 Minuten vorher erklärt hatte), ging es von der Bühne und ich versank in Scham.
Nun meinte jeder an dem Abend zu mir, dass dies keineswegs schlimm war und dass sowas passieren kann wenn man aufgeregt ist, doch besser fühlte ich mich dadurch nicht und ich glaube meine Stimmung führte dazu, dass ich im Anschluss auch bei den anderen beiden Yuya-Darstellungen meiner Gruppe nicht mit im Chor saß… sicher bin ich mir aber nicht, zumindest hat mir niemand bescheid gesagt.
Es gab zwar einige Faktoren die zu meinem Versagen beigetragen haben, so durfte ich zum Beispiel meine Brille nicht tragen (was mich wegen meiner schlechten Augen IMMER verwirrt wenn ich etwas machen soll, in dem ich nicht 100%ig routiniert bin… das sollte ich vielleicht mal anfangen im Zirkel zu üben, ohne Brille zu tanzen) und auch der Etikettenablauf davor war mir vollkommen ungeläufig und hat mich tierisch aus der Bahn geschmissen.
Aber darüber hinaus sehe ich das alles nur als Kleinigkeiten. Ich für mich persönlich sehe einfach nur, dass ich zwar 2 Monate geübt habe wie ein Berserker, in den letzten Wochen aber mein Trainingspensum arg gelitten hat und ich aufgehört habe mich ausschließlich auf mich zu konzentrieren und angefangen habe über andere Neulinge in der Gruppe nachzudenken, die nicht ein Viertel an Energie und Interesse in die Sache stecken wie ich. Doch im Endeffekt sollte mir das egal sein, denn wie schlecht sie sind und wie wenig sie sich ins Zeug legen ist ihre Sache und nicht meine. Ich leide darunter nicht und daher will ich in Zukunft auch keinen Gedanken mehr daran verschwenden!
Wenigstens war die nomikai 飲み会 „Trinkversammlung“ im Anschluss überaus witzig und so hatte der Tag doch noch was Gutes.
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Die Sugi-Nami-Nô-Bühne in Sugi-Nami-ku Tokio.
Klein aber fein würde ich sagen.
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So sieht der „Saal“ (eher ein Säalchen) von der Bühne aus gesehen aus.
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Der Männer-Chor unseres Zirkels.
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Kiota-san, eine meiner sempai beim Aufführen von „Kantan“.
Äußerst anmutig die Gute!
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Auf der anschließenden nomi-kai. Icke, Ueda-san, name-leider-entfallen und Murakami-san.
Hinten Rechts Ikeda-buchô, die Zirkel-Chefin im Moment.
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Mehr oder weniger der ganze Laden wurde von uns in Beschlag genommen. Links unten saßen noch mehr.
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Es gab leckeres Essen… hier sehen wir das gereichte Käse-Fondue.
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Ein nicht seltenes Bild bei Trinkgelagen mit Japanern… da macht man halt auch mal eben ne Pause zwischendrin.
Da ich mir vorgenommen hatte an meinem Geburtstag etwas außergewöhnliches zu machen, entschied ich mich dazu mit Ronja noch einmal nach Kamakura zu fahren und eine ausgedehnte Tempel-Tour zu unternehmen.
Das war leider leichter gesagt als getan.
Allein das Buchen eines Hotels in der Nähe von Kamakura (ganz zu schweigen von IN Kamakura) gestaltete sich als äußerst schwierig, da am besagten Wochenende scheinbar etwas besonderes in der näheren Umgebung der Stadt (oder der Stadt selbst) stattfand.
Daher waren so gut wie alle Hotels ausgebucht.
Pfiffig wie ich aber nunmal bin hab ich natürlich doch noch was gefunden was nicht mein gesetztes Budget über alle Maßen sprengte und so machten Ronja und ich uns am Freitag nach der Uni auf nach Tsujido, wo sich unsere Bleibe befand.
Das Hotel zu finden war nicht schwer, das Gebäude war zwar von außen ziemlich hässlich und die Teppiche in den Gängen reflektierten diesen Anblick lediglich, doch das Zimmer selbst war relativ gemütlich (im Gegensatz zu unserem letzten Hotelzimmer welches wir in Tokio mieteten) und so gestaltete sich der Aufenthalt dort doch recht angenehm.
Den restlichen Freitag verbrachten wir mit Nix-Tun, Sushi essen und wieder Nix-Tun… eine wirklich angenehme Abwechslung zum Uni-Alltag möcht ich meinen.
Punkt zwölf überreichte Ronja mir dann meine Geburtstagsgeschenke und ich war über alle Maßen erfreut. Neben einem (zugegebener Maßen) etwas kitschigen Bilderrahmen mit hübschen Fotos von ihr und uns bekam ich ein exorbital interessantes Lexikon über japanische Familien-Wappen, den zugehörigen Familien und die verschiedenen Varianten der Wappen innerhalb der selben. Ein Nachschlagewerk, an dem ich sicher noch lange meine Freude haben werde, vor allem im Zusammenhang mit der tollen Familien-aus-dem-Mittelalter-Karte von Japan die mir Ronja letztes Jahr schon nach Deutschland geschickt hatte. Da Topping auf diesem Sahnekuchen stellten jedoch die beiden Nô-Karten dar die ich bekam. So gehen Ronja und ich nun am 5.7. zusammen ins Kanze-Nôgaku-Dô, dem Nô-Theater der Kanze-Schule in Shibuya, in welchem ich vor einigen Wochen schon mit meinem Theater-Prof und zwei Kommilitoninnen war um Kamo und Izutsu zu gucken. (Ein Bericht folgt noch auf der Nô-Seite.)
Ich freue mich wahnsinnig das mal mit ihr zusammen zu sehen, auch wenn ich ehrlich gesagt ein wenig gespannt auf ihre Reaktion bin, denn zugegebenermaßen ist Nô, nicht nur für Westler, sondern ebenso für viele Japaner, äußerst gewöhnungsbedürftig. (So sehr, dass ein Großteil der Japaner während der Vorstellung einschläft.)
Nach einem recht erholsamen Schlaf (OHNE Autolärm!) machten wir uns am Samstag Mittag auf, nur um im letzten Moment unsere Pläne zu ändern und anstatt nach Kamakura, zuerst zum Meer zu fahren (bzw. laufen). Dies bot sich an, da das Meer vom Hotel aus sichtbar war und wir zu Fuß lediglich 20 Minuten dorthin brauchten. Dort angekommen kauften wir uns Frühstück in einem Kombini (vergleichbar mit den deutschen Spätis oder einer Tankstelle, aber mit größerer Auswahl) und liefen zu Strand.
Wir waren ziemlich überrascht, da hier der Sand nicht weiß/beige, sondern grau/schwarz ist.
Im Wasser tummelten sich dutzende von Surfern, von denen aber witziger Weise nur ein Bruchteil wirklich surfte. Der Rest schien einfach nur auf dem Wasser zu liegen und auf irgendwas zu warten.
Wir ließen uns im Sand nieder und erlebten kurz darauf unsere nächste Überraschung:
Etwas schoss zwischen unseren Köpfen durch und im Bruchteil einer Sekunde lag das Krabbenbrötchen von dem Ronja gerade erst einen Bissen genommen hatte im Staub. Als wir registrierten, dass der „Angreifer“ ein Falke war, kam auch schon ein Rabe herbeigeflogen und schnappte sich die geerdete Schrippe. (Einen detaillierten Bericht findet ihr hier.)
Ich muss sagen ich war weniger erschrocken durch die Situation (ging auch viel zu schnell), als im Nachhinein vielmehr erleichtert darüber, dass der Vogel so präzise gearbeitet hatte, dass außer einem winzigen oberflächlichen Schrämmlein nix mit Ronjas zartem Händchen passiert ist.
Im Anschluss überwältigte mich noch unbeschreibbares Mitleid mit der Armen, weil sie sich so über ihr Brötchen gefreut hatte und nun lediglich ein viel weniger wohlschmeckendes Sandwich übrig blieb, welches wir dann unter einem Verschlag einnahmen… unter steter Beobachtung weiterer Falken und Raben versteht sich.
Nach dem Frühstück überlegten wir unser weiteres Vorgehen und da die schöne (Halb-)Insel Enoshima 江ノ島 lediglich wenige Kilometer entfernt aus dem Meer ragte, entschieden wir uns dafür dort auf einen Besuch vorbeizuschauen.
Leider sollte es auf dem Weg dorthin, welchen wir auf dem Strand zurücklegten, anfangen zu regnen. Als es zu stark wurde kaufte ich kurzerhand einen Schirm und wir hielten tapfer weiter auf die „Buchten-Insel“ zu.
Dort angekommen war ich überrascht, wie viele Touristen sich, trotz der Sturzbäche die da vom Himmel fielen, auf der Insel aufhielten.
Enoshima ist unheimlich schön. Äußerst klein und innerhalb weniger Stunden leicht zu erkunden, beherbergt die Insel gut ein Dutzend kleiner Tempel und Schreine, welche den verschiedensten Heiligkeiten gewidmet sind. Selbst der starke Regen konnte dieser Schönheit keinen Abbruch tun, sondern ganz im Gegenteil, fügte einen unvergleichlichen Charme in die Atmosphäre vor Ort.

Enoshima vom „Festland“ aus.
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Die Brücke nach Enoshima.
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Ziemlich viele Touristen, trotz des schlechten Wetters.
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Das erste torii an der Hauptsstraße zum Gipfel.
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Der Aufgang zum Enoshima-Schrein.
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Weiter oben angekommen, ein Blick nach Fujisawa, von dem Enoshima einen Stadtteil darstellt.
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Ein in die Wand geschlagenes Bildnis von Benzaiten. Benzaiten ist eine der „sieben Glücksgötter“ (shichi fukujin 七福神) und eine dem Wasser verbundene Gottheit, die angeblich die Insel Enoshima erschaffen hat. Ihr zu Ehren wurde der Enoshima-Schrein auf der Insel errichtet. Sie vermählte sich mit einem Kinder fressenden Drachen um diesen zu zähmen. Auch dem Drachen als Wassergeschöpf ist auf der Insel ein Schrein gewidmet. Er sorgte angeblich für den Wohlstand der Hôjô-Familie und hinterließ drei Schuppen, welche zum Wappen derselben wurden.
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Der Enoshima-Schrein, in welchem eine kleine nackte Statue der Göttin aufbewahrt wird und welche eines der Hauptziele der Touristen auf der Insel darstellt.
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Ein weiterer Schrein, leider habe ich nicht gesehen, welcher Gottheit er gewidmet ist.
Hier wurde gerade geputzt.
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Etwas später fanden wir diese Kannon-Statue. Kannon ( auch Kanzeon „die alles hörende und sehende“) als Göttin der Milde und Barmherzigkeit. Hier hat sie ein Kind auf dem Arm, was für diesen Bodhisattva typisch ist und ihr auch einen Vergleich mit einer „buddhistischen Maria“ einbrachte.
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Zugang zu einem der Tempel (bin mir nicht sicher wieviele es sind) auf der Insel. Seitlich davon sieht man zwei Tempeltorwächter, die niô 仁王 oder auch „Könige der Menschlichkeit“. Sie tragen beide ein einhändiges Vajra „Diamant“ in der Hand, eine alte indische Waffe die eine entscheidende Rolle, vor allem im esoterischen Buddhismus spielt.
Da sich auch Kûkai (posthum Kôbô Daishi, Begründer der esoterischen „Schule des wahren Wortes“ Shingon-shû) auf der Insel aufgehalten haben soll, würde ich annehmen, dass es sich bei dem Tempel um einen Shingon-Tempel handelt.
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Torwächterfiguren (egal ob Niô, Komainu [das sind die lustigen Löwenhunde] oder anderer Gestalt) bilden immer ein Paar, von dem einer den Mund geöffnet und einer den Mund geschlossen hat. Sie bilden eine kosmische Einheit. Einer spricht die Silbe [A] (deshalb nennt man diese auch a-gyô あ形 „A-Gestalt/Form“) und der andere die Silbe [N] (daher (u)n-gyô (う)ん形 „N-Gestalt/Form“), welche Anfangs- und Endbuchstaben des japanischen Alphabets darstellen.
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Eine der Buchten auf der Insel. Hier bekommt man schnell den Eindruck man wäre auf Monkey Island.
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Die Drachenhöhle.
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Für mich einer der beeindruckensten Plätze auf der Insel.
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Man kann sich kaum vorstellen, WIEVIEL Wasser an dem Tag vom Himmel gefallen ist!!!
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Uns kamen wahre Sturzbäche von den Treppen entgegen. Mich wundert es im Nachhinein echt, warum diese Insel bei den Wassermassen noch nicht im Meer versunken ist!
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Nächtlicher Blick auf den Leuchtturm der Insel.
Tschüss Enoshima, bis zum nächsten Mal!
So, ich weiß der letzte Eintrag war lange her, aber der Alltag hier in Japan ist momentan (den Nô-Zirkel mal ausgenommen) wenig spannend.
Das Wetter ist hier im Moment auf gut Deutsch gesagt „tierisch beschissen“. Es ist warm, schwül, regnet manchmal und der Luftdruck ist so hoch, dass man am liebsten nur im Bett liegen und nix machen will.
Ein Lehrer von Ronja und Diana hat gesagt, dass er in dieser Zeit immer am liebsten einfach sterben würde… kann ich irgendwie nachvollziehen.
Heute gings mir ähnlich. Ich weiß nicht ob es NUR am Wetter liegt, oder ob mein beständiges Schlafdefizit auch seinen Teil dazu beiträgt.
Seit ca. einer Woche habe ich stets ein leichtes Zucken im linken Augenlid (unten – man siehts kaum, aber ich merks) und auf Grund einer Verletzung, oder weiß ich warum, ist mein rechter Fuß um den großen Zeh herum seit einiger Zeit dauertaub, quasi wie eingeschlafen.
Außerdem habe ich beim Zirkel in letzter Zeit Probleme im Kniesitz zu hocken, weils dann im rechten Fuß zieht… und überdies kann ich scheinbar nicht aufhören zu jammern!
So genug geplärrt, muss ja auch wieder vorwärts gehen.
Für alle die es noch nicht wissen, ick komm am 28. August zurück nach Berlin. Praktischer Weise umgehe ich bei meinem 3-Wochenaufenthalt einen großen Teil des japanischen Spätsommers/Frühherbstes und kann ein paar hoffentlich angenehmere Tage in Berlin verbringen.
Bis dahin…
Das Leben besteht aus einer Reihe Hochs und Tiefs denke ich.
Jeder Tag für sich stellt schon eine Aneinanderkettung von kleinen und großen Hochs und Tiefs dar, nur ist einem das manchmal vielleicht nicht so bewusst.
Nehmen wir heute zum Beispiel:
Ich bin gegen 10.00 Uhr das erste Mal aufgewacht. Da 6 Stunden Schlaf hier die obere Grenze meines Standardpensums darstellen, entschied ich mich dafür, hier noch ein wenig Zeit ranzuhängen.
Aufgestanden bin ich dann so um zwei. Definitiv ein Hoch für mich, denn ich fühle mich nun seit Tagen mal wieder etwas ausgeruhter.
Ein kleineres Tief stellte dann der Umstand dar, dass ich Wäsche zu waschen hatte. Nun, dies ist sicherlich eine Frage des Standpunktes und so versuchte ich das Ganze positiv zu sehen und ein Hoch daraus zu machen, mit Hinblick auf den Umstand im Anschluss wieder saubere Wäsche zu haben. Einen kleinen Strich durch diese Rechnung machte mir lediglich die Tatsache, dass Wäsche in Japan nicht wirklich sauber wird. Sie riecht gut und das Gröbste an Schmutz bekommt man auch heraus, doch richtig sauber ist sie danach trotzdem nicht. Allerdings ist dies ein Tief welches ich wohl verkraften kann.
Wieder im Bett widmete ich mich meiner Präsentation für Dienstag. Kein wirkliches Tief, lediglich etwas Arbeit, Texte lesen, hier und da was markieren, späteres Zusammenschreiben der Erkenntnisse.
Anschließend ging es zum Einkaufen. Ein Hoch wenn ich daran denke, dass ich mir ein paar Cornflakes, Nutella, Erdnussbutter und Toast, sowie Kakao und Milch gekauft habe. Dafür musste ich zwar mein gemütliches Bett verlassen, doch nur um festzustellen, dass heute wirklich ein sehr schöner Tag mit milder Luft und wein wenig Sonnenschein, bei hellblauem mit leichten Wolken durchzogenem Himmel war. Unter allen Umständen also ein Hoch. Auf dem Weg zum Supermarkt machte ich auf einer kleinen Brücke halt und beobachtete eine Familie Mandarinenten mit ihren Küken und war durchaus entzückt, denn der Fluss in dem sie schwammen ist normalerweise nur ein Rinnsal und lediglich durch die letzten Tage starken Regens zu dem geworden was es nun ist… hier zeigt sich die Dualität des Universums wohl in seiner ganzen Pracht!
Wieder zurück gab es erstmal ein Festmahl, welches man ebenfalls als Hoch bezeichnen kann.
Der Gedanke daran, was ich jetzt noch an Hausaufgaben zu erledigen habe stellt hier vielleicht wieder ein Tief dar, aber da muss ich durch.
Zwischendurch mache ich mir immer wieder Gedanken um meinen Aufenthalt hier in Japan und trotz der vielen kleinen und großen Hochs schleicht sich dennoch immer wieder ein Tief. So zum Beispiel der Umstand, dass ich das Gefühl habe hier mit meinen Japanisch-Kenntnissen nicht voranzukommen. Dies ist sehr merkwürdig, denn ich befinde mich nun schon in Japan. Ich bekomme dennoch manchmal das Gefühl, dass ich hier nicht genug lerne. DAS ist allerdings definitiv ein Fehler den ich bei mir suchen und ausmerzen muss, denn die Möglichkeiten bieten sich hier zur Genüge.
Ich denke letzten Endes bleibt einem nichts weiter übrig, als die Hochs zu genießen und die Tiefs durchzustehen und sich einfach der Existenz der beiden bewusst zu sein, um das Leben ausreichend genießen zu können… zum bloßen dahinvegetieren ist es eh viel zu kurz.
Gestern hatte ich das große Vergnügen ins Büro der Heiwa Nakajima Zaidan eingeladen zu werden, die Stiftung welche mir freundlicher Weise mein Stipendium bereitstellt.
Ich kam selbstredend zu spät, da ich das Gebäude nicht auf Anhieb gefunden habe, was nicht verwunderlich ist, denn die Distanz zwischen Bahnhof und Gebäude auf der Karte die ich bekam entsprach ganz und garnicht der Realität.
Das Büro selbst liegt im 33ten Stock eines der Mori-Gebäude in Roppongi, mit direktem Blick auf den Tokyo-Tower (was hier als Statussymbol gilt!) und über Tokio.
Zu so einer wichtigen Gesellschaft kommt man auch nicht einfach so, sondern man muss sich vorher anmelden und bekommt dann einen Tagesausweis für das Gebäude, den man sich von der besuchten Firma unterzeichnen lassen muss.
Im Büro angekommen wurde ich herzlich empfangen und nachdem man mir mein Fahrgeld für die „Anreise“ ausgezahlt hatte, setzte sich ein gut bejahrter Mann neben mich und drückte mir einen Stapel Blätter in meine unbedarften Hände.
Diese zeigten diverse Kanji-Kombinationen und eine kurze Erklärung seinerseits machte deutlich, dass diese alles Kombinationen seien, welche es nicht in China gibt, sondern welche so in Japan im Laufe der Jahrhunderte entworfen wurden. Scheinbar ist dies sein momentanes Forschungsgebiet.
Es stellte sich heraus, dass er wohl der Direktor der Einrichtung ist und ich hatte die Ehre beim anschließenden Essen neben ihm zu sitzen. Vorher wurden natürlich noch die obligatorischen Fotos von mir geschossen (genauso wie zwischendrin und danach) welche wohl ins Gästebuch geklebt werden.
Alle waren sehr nett zu mir und das Essen war ausgezeichnet… alles, bis auf den Seeigel. Ich weiß nicht was die Japaner treibt das zu essen, aber es sieht aus, als würde man ne Kelle Hafenschlick zu einer Sushi-Zutat verarbeiten und so schmecken tut es auch. Nach Meer… aber eher nach den Pfützen die sich an der Nordsee zum Beispiel bild, wenn Ebbe ist… und wenn es dann noch Sommer ist bei 30° C, dann muss man einen Schluck nehmen und hat eine ungefähre Vorstellung, wie Seeigel-Sushi schmeckt!
Man war also umso erstaunter, dass ich ohne Murren oder sonstwas mein Sushi gefuttert habe… aber die Blöße hätte ich mir auch im Leben nicht gegeben. (Erstaunlicher Weise habe ich bei den anderen um mich herum keinen Seeigel gesehen!!!) Ich glaube der Chef fand es witzig, dass ich mir meinen Aal genauso wie er bis zum Schluss aufgehoben habe und ich erklärte ihm den deutschen Ausspruch „Das Beste zum Schluss.“
Die Gesprächsthemen variierten und waren teilweise arg merkwürdig (zumindest für mich als Deutschen, ich denke Japaner sind was das angeht etwas unbedarfter), so wurde ich gefragt, ob meine Lehrerin (die man hier sehr gut kennt und als „beinahe-Japanerin“ bezeichnet) denn Jüdin sei, auf Grund ihres Vornamens (der so garnicht jüdisch klingt!) und ob ich denn Hitler möge… o_0???
Ich erklärte, dass diese Frage für einen Deutschen zumeist leicht zu beantworten ist mit „Nein“, verwies aber auf einen kleinen Prozentsatz Eierköppe, die ihn immer noch für nen ganz großen halten.
Darüber hinaus war ich eher etwas stiller, versuchte mich im beantworten von Fragen und war sonst ziemlich angespannt. Man freute sich über die Gummibärchen die ich quasi als Geschenk mitgebracht habe, welche jedoch auch für einen kurzen Moment der Unsicherheit auf beiden Seiten sorgten. Ich packte sie aus, sagte „hier bitte sehr, die habe ich aus Deutschland mitgebracht“ und legte sie auf den Tisch. Für mich impliziert dies, dass sich bitte alle bedienen mögen, allerdings nickte man erst freundlich, sah mich dann verdutzt an… und nach ca. 20 Sekunden kam dann die Frage ob diese zum betrachten, oder zum essen seien, also ob ich ihnen die nur zeigen wollte, oder man denn davon essen dürfe… o_O??? Manchmal… aber nur manchmal muss ich mich etwas wundern!
Nach gut drei Stunden wurde es dann Zeit die Segel zu streichen. Ich trug mich noch ins Gästebuch ein (Pflicht!), machte dabei ein zwei Fehler wie ich selbst merkte, mir aber auch gesagt wurde… dann gings zum Fahrstuhl und ich konnte wieder entspannen. Ein netter Besuch, wenn ich auch nicht alles verstanden habe… mal sehen wie der nächste Besuch im September wird.
Ich weiß, immer wenn man nix zu erzählen hat, dann erzählt man was übers Wetter.
„Hi, na wie gehts so?“
- „Gut und selbst?“
„Ach, muss muss…“
(peinliches Schweigen)
- „Das Wetter ist ja heute auch wieder… also ehrlich… alles neu macht der Mai sagt man ja immer, gelle.“
„Jah jah… ist schon so ne Sache…“
BLABLA
Fakt ist aber, dass das Wetter mir hier im Moment echt etwas auf die Nerven geht. Mal sinds 28°C mit Sonnenschein und dann sinds wieder nur 22°C mit derbstem Regen.
Das Problem bei der ganzen Geschichte ist, dass es in Japan egal ist, ob es regnet oder nicht, der Anteil an Wasser der sich in der Luft befindet ist IMMER GLEICH!
Regen in Japan findet statt, wenn der Wasseranteil in der Luft eine bestimmte Prozentmarke übersteigt. In diesem Moment fällt es dann einfach runter, nur um einige Minuten später wieder in der Luft zu verschwinden und dort für einige Tage zu verweilen, bis es wieder rausfällt. So scheint es zumindest… auf jeden Fall ist es irgendwie nie wirklich weg… es ist immer da und man kann keine 10m gehen, ohne nicht sofort klatsch nass zu sein. Zwei Mal duschen am Tag (minimum) wird zur pflicht, alles andere verstößt gegen essentielle Auflagen von Amnesty International glaube ich.
Ein Glück hab ich nen Schirm…