Juli 14, 2008...4:32

Im Topf kocht das Essen, in der Küche da koch ich!

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Am Samstag waren Ronja, der Rest der „Tee-Mädels“ und ich bei der Lehrerin ihrer Lehrerin zum Kochen eingeladen. „Shôko-Sensei“ wie sie liebevoll genannt wird ist eine leicht bejahrte, freundliche Omi, die die Mädels hie und da immer mal wieder begroßmuttert hat, in Ermangelung eigener Enkel.

Auf dem Speiseplan standen:
- Flädlesuppe
- Hühnerfrikassee mit Kartoffelbrei
- Apfelkuchen

Natürlich alles selbst gemacht aus frischen Zutaten.

Diese kauften wir morgens in Ebina ein und obwohl wir für 10 Personen kochen sollten, kamen wir mit umgerechnet gerade Mal 40 Euro auf eine recht niedrige Summe. Sogar weißen Spargel haben wir bekommen, auch wenn der in Japan etwas kleiner ist als in Deutschland.

Als wir alles geholt hatten machten wir uns auf zu Shôkos Haus, was auf Grund der hohen Temperaturen an dem Tag (ich schätze mal an die 35°) eine echte Qual war. Ein Eis auf dem Weg verschaffte leider nur kurzzeitige Linderung… war aber trotzdem lecker.

Am Zielort angekommen ereilten uns die ersten Schocks. Es galt für mehr Leute zu kochen als geplant, die Küche der lieben Shôko war, um freundlich zu bleiben, katastrophal schlecht bestückt (ich glaube selbst in Ronjas alter Wohnung in Mitte konnte man besser kochen) und ständig wuselten einem ältere und jüngere Japaner vor den Füßen herum und schauten einem auf die Finger. Nun muss ich zugeben, dass ich natürlich auch die ein oder andere Show-Einlage beim Kochen dabei hatte (schnelles Gemüse-Schneiden, Pfannkuchen in der Luft wenden – wie auch sonst ohne Bratenwender? – usw. ), allerdings ist es doch ganz schön anstrengend unter ständiger Beobachtung zu arbeiten. Zum Glück ließ das nach einiger Zeit nach.
Das Schlimmste an allem war allerdings die MEGA-HITZE die sich in der winzigen Kochnische bildete. Kein Wunder, liefen doch zwei Gas-Herdplatten, ein Mikrowellen-Ofen und keine Klimaanlage. So stieg die Temperatur nach kurzem auf geschätzte 45° und dank der Dämpfe aus den brodelnden Töpfen stand ich im Nu in meiner eigenen kleinen Sauna.

Gejammert wurde allerdings nicht, dafür war eh keine Zeit. Die Mädels arbeiteten an ihrem Kuchen (hm, Teig anrühren ohne Rührgerät… war genauso lustig wie Flädle-Teig anrühren ohne Schneebesen) und arbeiteten mir fleißig zu (zumindest das Bisschen was ich sie machen ließ).

Ein weiteres Problem stellten für mich einige der japanischen Zutaten dar. Der Spargel war so klein, dass man beim Schälen aufpassen musste, dass er sich nicht in Luft auflöste und das Mehl welches ich zum Abbinden des Frikassee nehmen wollte band nicht! Das trieb mich tatsächlich fast in den Wahnsinn… ich hatte extra eine Mehlschwitze aufgesetzt und als das nicht half eine Sukzessive nach der anderen in die Sauce gekippt… vergeblichst! Am Ende verschwand glaube ich gut ein viertel Pfund Mehl in dem Kochtopf ohne merklichen Erfolg. Ein Ei half ebenso wenig, sodass ich persönlich die Konsistenz etwas zu flüssig fand, doch in Verbindung mit dem Kartoffelbrei (ich wollte ja Reis dazu… wurde aber überstimmt) war es halbwegs erträglich. Der Geschmack war relativ gut, dank des Spargels und des Weins den ich ins Frikassee gab.

Nach etwa insgesamt 2 1/2 Stunden war es dann soweit und wir konnten endlich essen.
Zum Essen gab es Weißwein den Shôkos Mann noch aus Deutschland hatte (ein Pfälzer?) und alles in allem hatte es einen sehr heimeligen Touch.

Zum Ende wurden wir noch von Shôko gebeten, dass jeder doch ein haiku, ein japanisches Kurzgedicht mit der Silbenfolge 5-7-5 schreiben möge.
Da die Mädels da ein wenig gehemmt waren, fing ich an und schöpfte aus den vollen meines spontanen Selbst. Das Ergebnis schreib ich hier mal nieder:

白雲や………………..しらぐもや……………shiragumo ya…………Die weißen Wolken – ach,
過去の歓喜に………..かこのかんきに…….kako no kanki ni…….für vergangene Freuden,
悔悟無し………………かいごなし………….kaigo nashi……………gibt es keine Reue.

Vielleicht nicht das allerbeste haiku, aber mein erstes auf Japanisch und ich finde es ist ganz gut geworden.

Darüber hinaus habe ich an dem Tag mal wieder gemerkt, wie gut mir das Kochen tut und was für einen hohen meditativen Aspekt das für mich hat, was auch ein Grund dafür sein dürfte, warum ich lieber alles alleine mache wenn „ich koche“, weil es mir hilft mich voll zu entspannen (trotz enormer Hektik) und mich voll und ganz in der Sache zu verlieren. Kochen ist mein Zen.

Bevor wir gegangen sind gab es noch ein paar Abschiedsfotos und was bei keinem Besuch bei einer lieben Omi fehlen darf, GESCHENKE! :D
Japanische Besait-Bonbons und japanisches Papier auf welchem man bei der Teezeremonie die Süßigkeiten präsentiert.

Ob ich auf die Bitte mich bei Problemen bei ihr zu melden zurückkommen werde weiß ich noch nicht. Erstens hoffe ich natürlich keine Probleme in Japan zu bekommen und zweitens verstehe ich diesen Spruch lieber als das was er im Allgemeinen darstellt, nämlich eine, mehr oder weniger, nix sagende Floskel. Selbst wenn es hier vielleicht ernst gemeint ist. – Man will ja niemandem zur Last fallen. – Aber auf einen Tee könnte ich dann vielleicht doch nochmal…

1 Kommentar

  • Ich frage mich, wie du es noch geschafft hast, deinen Kopf zu einem haiku überreden zu können. Nach dieser Hitze, der extremen Luftfeuchtigkeit und dieses in einer kleinen Küche… ich wäre beim Kochen schon umgekippt :lol: .

    Vielen Dank für diese, wieder einmal, sehr nett geschriebene Geschichte :D !


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