So, dieses Wochenende war, wie noch so einige andere, mal wieder stark vom Nô geprägt.
GUTES NÔ
Ronja war ja so lieb mir zwei Karten für eine Vorstellung im Kanze-Nô-Theater zu schenken und ohne so recht zu wissen, worauf sie sich da eigentlich einlässt, wagte sie es mit mir „Utou“ 善知鳥 zu gucken.
Natürlich war das nicht das einzige Stück. Eingeleitet wurde das ganze durch einen Auszug aus einem anderen Stück (leider unbekannt), dann kam das Stück „maki ginu“ 巻絹, in dem es um einen Boten geht, der eine Rolle Seidenbrokat von der Hauptstadt nach Kumano bringen soll und dabei von einer Gottheit aufgehalten wird. Die Story erschloss sich mir nicht wirklich. Ich habe mir vor Ort den Text des Stückes gekauft und werd den bei Gelegenheit nochmal überfliegen…
Das witzige an diesem Stück war, dass man hier den Ai-Kyôgen, also den Darsteller, welcher ein kurzes gesprochenes Zwischenstück präsentieren soll, tatsächlich durch einen Kyôgen-Darsteller spielen ließ und dieser vor allem auch in der fürs Kyôgen typischen Art geredet hat, was irgendwie witzig und ungewöhnlich anmutete. Normaler Weise werden Kyôgen (als eigene Gattung) und Nô nämlich strikt getrennt. Auch das Kostüm war ein typisches Kyôgen-Kostüm und kein „einfacheres“ Nô-artiges Kostüm für Ai-Kyôgen-Spieler. Aber in den Punkten kann ich mich auch irren. Es war halt nur der Punkt, der mir an dem Stück am stärksten ins Auge sprang.
Hieran schloss sich das Kyôgen-Stück(eine Art japanische Farce) „hagi daimyô“ 萩大名 „der Kleefürst“ an , welches ziemlich witzig war, auch wenn ich nicht alles verstanden habe (ist immerhin auch nicht grade modernes Japanisch welches sie dort sprechen und da es in dem Stück um Waka-Dichtung geht… wer rafft das schon völlig?
), war es doch recht witzig. Es geht darum, dass ein Fürst mit seinem Diener einem Edelmann einen Besuch in dessen Teehaus abstatten will. Dieser ist ein Freund von Waka-Gedichten. Da der Fürst nun nicht als dumm dastehen möchte, fragt er seinen Diener Tarô-Kaja (üblicher Weise ist dies der Name des Dieners. Tarô ist hierbei so ähnlich wie das deutsche „Hinz und Kunz“, also ein jedermann), ob dieser ihm nicht etwas in Waka-Dichtung unterrichten kann. Dies tut dieser auch und der Fürst ist nun sicher, sich nicht zu blamieren.
Selbstverständlich tut er dies aber doch und so verlässt Tarô beleidigt die Bühne und überlässt den Fürsten seiner eigenen Dummheit…
So unglaubwürdig das auch sein mag, aber der Militär-Adel im alten Japan hatte durchaus die Fähigkeit sich selbst auf die Schippe zu nehmen, was man daran sehen kann, dass es viele Stücke wie dem oben beschriebenen gibt, in welchen die obersten dieser Gesellschaftsschicht durch den Kakao gezogen werden, teilweise sogar von ganz einfachen Bauern.
Das besondere an diesem Kyôgen war, dass hier sowohl Nomura Manzô (momentanes Oberhaupt der Nomura-Familie) und Nomura Man gespielt haben. Die Nomura-Familie betreibt schon seit über drei Jahrhunderten Kyôgen-Theater und ihr momentan wohl bekanntester Sprößling dürfte Nomura Manzai sein, der schon in Kurosawas „Ran“ (wenn auch als Nebendarsteller) mitspielte und neuerdings als Abe no Senmei in Onmyôji 1 & 2 zu sehen war.
Nach dem Kleefürsten gab es noch zwei weitere Tanzstücke und dann ging es los mit „Utou“.
Die Story des Stückes im groben Umriss ist in etwa so:
Ein Mönch ist auf Wanderschaft. Trifft einen wunderlichen alten, geht auf dessen bitten zum Haus eines gestorbenen Jägers und spricht dort mit dessen Witwe und deren Kind. Dann taucht der Geist des Jägers auf und nach einigen sehr dramatischen Tanz-Szenen und Attacken verschwindet dieser wieder und das Stück ist vorbei.
Mir hat es ganz gut gefallen, vor allem die energischen Parts gen Ende, allerdings hat mich gestört, dass sie Teile ausgelassen oder gekürzt haben. Das mag nun nicht so auffallen, weil man eh kaum versteht was da gesungen wird, doch wenn man den Text in der Hand hält und immer wieder springen muss weil etwas ausgelassen wurde, dann nervt mich sowas, zumal ich eh gegen das Einkürzen im Allgemeinen bin, egal ob Film oder Theater.
Der Tag war also ziemlich voll geladen mit Theater und auch wenn Ronja die ein oder andere Minute mal „ihre Augen ausruhte“, denke ich war es doch eine ganz nette Erfahrung. Ich hatte zumindest meinen Spaß!
Im Anschluss gingen wir noch etwas essen und Ronja half mir dabei mir eine neue kleine Tasche zu kaufen, die ich nun benutze wenn ich irgendwo unterwegs bin um Fotos oder sonstiges zu machen, damit ich nicht ständig meinen Rucksack mit rumschleppen muss, andererseits aber auch Platz für meinen Fotoapparat, mein Elektro-Wörterbuch, ein Buch zum lesen in der Bahn und mein Portemonnaie habe, sodass ich das nicht ständig alles in meinen Hosentaschen spazieren tragen muss.
SCHLECHTES NÔ
Am Sonntag ging es bei mir dann um die Wurst.
Es war „Bühnen-Training“ vom Zirkel angesagt. Jedenfalls war es das, was ich dachte. Herausstellte sich aber, dass es das alljährliche Treffen der Nô-Zirkel nach der Kanze-Schule 観世流 war, an dem die Hôsei, die Tôdai, die Waseda, die Ichi-Bashi und noch eine Mädchenschule deren Name mir grad nicht einfällt teilnehmen.
Es waren etwa 60 Nô-Praktizierende in dem kleinen traditionellen Theater anwesend und jedes Mitglied einer Gruppe führte einen Tanz, bzw. zwei Gruppen sogar halbe Stücke mit Instrumenten auf.
Ich sollte „Yuya“ 熊野 aufführen, das Stück welches ich seit meinem Eintritt in den Zirkel geprobt habe. Ich hatte mir anlässlich dieses Ereignisses extra Kimono und Hakama (Hosenrock), sowie Unterkimono besorgt und war auch ziemlich aufgeregt als ich erfuhr, wie groß die ganze Geschichte eigentlich doch war.
Es liefen drei Kameras mit und mein Auftritt rückte näher und näher.
Als ich dann endlich dran war, war ich tierisch aufgeregt. Ich hörte mein Herz so laut schlagen wie lange nicht mehr und obwohl zumindest meine Stimme laut und deutlich im Vibrato durch den kleinen Saal schallerte, kam ich an einer Stelle ins Stocken und so geschah es, dass ich eine Bewegung vergaß, was dazu führte, dass ich die Hälfte des Tanzes spiegelverkehrt aufführte, bis zu einem Punkt, an dem ich es wieder korrigieren konnte. Der Rest lief dann wie in Trance und nachdem ich noch ein wenig die Etikette missachtet hatte (welche man mir leider erst 5 Minuten vorher erklärt hatte), ging es von der Bühne und ich versank in Scham.
Nun meinte jeder an dem Abend zu mir, dass dies keineswegs schlimm war und dass sowas passieren kann wenn man aufgeregt ist, doch besser fühlte ich mich dadurch nicht und ich glaube meine Stimmung führte dazu, dass ich im Anschluss auch bei den anderen beiden Yuya-Darstellungen meiner Gruppe nicht mit im Chor saß… sicher bin ich mir aber nicht, zumindest hat mir niemand bescheid gesagt.
Es gab zwar einige Faktoren die zu meinem Versagen beigetragen haben, so durfte ich zum Beispiel meine Brille nicht tragen (was mich wegen meiner schlechten Augen IMMER verwirrt wenn ich etwas machen soll, in dem ich nicht 100%ig routiniert bin… das sollte ich vielleicht mal anfangen im Zirkel zu üben, ohne Brille zu tanzen) und auch der Etikettenablauf davor war mir vollkommen ungeläufig und hat mich tierisch aus der Bahn geschmissen.
Aber darüber hinaus sehe ich das alles nur als Kleinigkeiten. Ich für mich persönlich sehe einfach nur, dass ich zwar 2 Monate geübt habe wie ein Berserker, in den letzten Wochen aber mein Trainingspensum arg gelitten hat und ich aufgehört habe mich ausschließlich auf mich zu konzentrieren und angefangen habe über andere Neulinge in der Gruppe nachzudenken, die nicht ein Viertel an Energie und Interesse in die Sache stecken wie ich. Doch im Endeffekt sollte mir das egal sein, denn wie schlecht sie sind und wie wenig sie sich ins Zeug legen ist ihre Sache und nicht meine. Ich leide darunter nicht und daher will ich in Zukunft auch keinen Gedanken mehr daran verschwenden!
Wenigstens war die nomikai 飲み会 „Trinkversammlung“ im Anschluss überaus witzig und so hatte der Tag doch noch was Gutes.
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Die Sugi-Nami-Nô-Bühne in Sugi-Nami-ku Tokio.
Klein aber fein würde ich sagen.
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So sieht der „Saal“ (eher ein Säalchen) von der Bühne aus gesehen aus.
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Der Männer-Chor unseres Zirkels.
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Kiota-san, eine meiner sempai beim Aufführen von „Kantan“.
Äußerst anmutig die Gute!
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Auf der anschließenden nomi-kai. Icke, Ueda-san, name-leider-entfallen und Murakami-san.
Hinten Rechts Ikeda-buchô, die Zirkel-Chefin im Moment.
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Mehr oder weniger der ganze Laden wurde von uns in Beschlag genommen. Links unten saßen noch mehr.
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Es gab leckeres Essen… hier sehen wir das gereichte Käse-Fondue.
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Ein nicht seltenes Bild bei Trinkgelagen mit Japanern… da macht man halt auch mal eben ne Pause zwischendrin.