Auf dieser Seite werde ich mich zukünftig über meinen Werdegang im Nô auslassen, sodass die Hauptseite und somit die Leute die es vielleicht nicht interessiert ein wenig entlastet werden.
Ihr könnt natürlich weiterhin Eure Kommentare dalassen! (Entschuldigt bitte für die zwei, die durch diesen Umbau verloren gegangen sind!)
では、始めましょう!
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11.05.2008
So, gestern habe ich es nun endlich geschafft dem Nô-Zirkel der Hôsei beizuwohnen.
Um 15.30 betrat ich den Vorraum des Japanzimmers im 5. Stock des neuen Sotobori-Gebäudes auf dem Ichigaya-Campus.
Ich zog artig meine Schuhe aus, schritt auf die Schiebetür zu, öffnete sie einen kleinen Spalt und erblickte vor mir sitzend eine Japanerin, die mich sogleich bemerkte, anlächelte und hereinwinkte. So betrat ich also den Raum, setzte mich leise auf ein Sitzkissen und beobachtete, wie eine andere Japanerin gerade vom anwesenden Lehrer im Tanz korrigiert wurde.
Nachdem dies getan war kam noch die andere Schülerin an die Reihe und dann ging das große Fragen los. Wer bin ich, was mach ich, mein Hauptfach, mein Interesse an und meine Erfahrung mit Nô usw.
Als wir das alles geklärt hatten kam unweigerlich die Frage „Magst Du auch schon mal was machen?“
Zurückhalten wie ich nunmal bin *räusper* habe ich kurz überlegt, dachte mir dann aber, dass es doch quatsch wäre mir den Weg zu machen und dann nur zuzugucken.
Ergo sagte ich, dass ich sehr gerne mitmachen würde und so forderte mich der Lehrer, Kobayakawa-Sensei (selbst ein Nô-Schauspieler), auf mich hinzustellen und zeigte mir die Grundhaltung. Dies mag einfach klingen, dazu muss man allerdings erwähnen, dass die Körperhaltung beim Nô eine… öhh… sagen wir sehr gewöhnungsbedürftige ist, denn im Westen wäre man sicherlich versucht jemandem der so steht ein Stützkorsett für den Rücken zu verpassen.
Man steht nämlich nicht einfach gerade, sondern man:
- hält den Arsch raus
- macht dabei ein Hohlkreuz (was den gewünschten Effekt hat, dass es aussieht, als ob der Arsch an einer Strippe hängt)
- steht mit leicht geöffneten Füßen und leicht gebeugten Knien
- streckt die Brust nach vorne
- zieht den Kopf gerade nach hinten (um dabei ein mächtiges Doppelkinn zu erzeugen)
- hält die Arme leicht angewinkelt steif vor dem Körper
- dabei hat man in der rechten Hand einen zusammengeklappten Fächer.
Nun läuft man vorwärts, ohne dabei die Höhe von Kopf oder Hüfte zu verändern, sodass es aussieht, als ob man gleitet (was mir allerdings schon vom Katori bekannt war).
Sensei sagte mir, nachdem er mich fragte ob ich Erfahrung mit Budô hätte, dass die Bewegung im Nô der im Aikidô gleicht und ich denke er hat nicht ganz Unrecht.
Nachdem ich nun in dieser „Entenarschhaltung“ ein wenig herumgeglitten bin, ging es ans singen.
Da ich nun komplett ahnungslos ob der Texte aus dem Nô bin, wurde ich dazu genötigt einfach mal was auf Deutsch zu sagen… da ich nicht so recht wusste was, fragte man mich, was denn „Ich bin Bastian“ auf Deutsch hieße. Nachdem ich Antwort gab, fing der Lehrer an diesen Satz immer wieder in der Nô-typischen Betonung zu singen.
Ich tat es ihm gleich und erntete Beifall für mein mächtiges Organ, sodass Sensei meinte, dass zumindest mit dem Gesang keine Probleme auftreten sollten.
Ich werde auf jeden Fall am Mittwoch wieder hingehen, denn die Gruppe ist sehr nett und ich hatte viel Spaß gestern, auch wenn ich mal wieder große Teile nicht verstanden habe.
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14.05.2008
Heute war meine zweite Lehrstunde im Nô.
Zuerst will ich nochmal kurz auf einen Kommentar zu meinem ersten Beitrag eingehen:
Muss man sehr deutlich ins Hohlkreuz gehen? Stelle ich mir auf Dauer nicht sehr gesund vor. Die Bewegung der Beine “unter” dem Körper ist von zentraler Bedeutung in vielen Kampfkünsten und ich findes es sehr interessant, dass im Nô mit derselben Zentrierung gearbeitet wird.
Naja, man muss es sich so vorstellen:
Du stehst gerade, beugst den Oberkörper, als ob Du Deine Zehen berühren willst. Dann richtest Du ihn wieder auf, lässt die Hüfte aber da stehen, wo sie war. Dazu streckst Du noch die Brust vor und ziehst die Schulter ein wenig nach hinten. (Also ziemliches Hohlkreuz.)
Es ist gewöhnungsbedürftig und wenn man eh schon ein vom Studieren sitzgeschädigtes Kreuz hat auch nicht unbedingt gesund, allerdings merkt man es kaum und ich habe auch keine Schmerzen. Da die Nô-Schauspieler (die wenigen) die ich bisher kennengelernt habe alle noch aufrecht gehen konnten (trotz eines leicht gehobenen Alters), denke ich mal, ist es nicht ganz so wild.
Zum Thema Nô und Kampfkünste kann ich nur anmerken, dass hier eine Verknüpfung wenig verwunderlich ist. Ein Dozent von mir erklärte (und diese Theorie wurde auch von meinem Nô-Lehrer unterstützt), dass die Japaner früher Passgänger waren (nanba aruki なんば歩き), das heißt die Hüfte beim Gehen starr war. Dies kann man sich schwer vorstellen wenn man sich die „natürliche“ Gehbewegung des Menschen ansieht (wenn man aufrecht gehen als natürlich bezeichnen kann, schließlich ist dies eine Haltung, die wir für uns alleine beanspruchen und ein großes Problem für unser Skelett darstellt). Allerdings macht diese Theorie Sinn, betrachtet man sich den Großteil der japanischen Kampfkünste, da über die gleichzeitige Bewegung von Arm und Bein große Kräfte erzeugt werden können. Und selbst im westlichen Boxsport dreht man beim Schlag die Hüfte mit, auch wenn die Beine der Bewegung entgegengesetzt stehen.
Die zweite Verbindung zwischen Nô und Kampfkünsten könnte durch eine Äußerung desselben Dozenten erklärt werden, der meinte, dass es damals für einen Bushi schicklich war im Nô bewandert zu sein. Wie fundiert diese Aussage ist wage ich nicht zu sagen, da ich diesbezüglich noch nie etwas gehört habe, allerdings wäre es ein Erklärungsansatz.
Es ließe sich sicher auch eine Erklärung über die „Ying-Yang-Elementelehre“ (陰陽五行) herleiten, allerdings würde ich mich ziemlich weit aus dem Fenster lehnen hier Vermutungen anzustellen.
Auf jeden Fall war meine zweite Lehrstunde (diesmal nur unter Studenten) äußerst lehrreich. Ich habe mein erstes Stück „eingeflößt“ (trifft es wohl am besten) bekommen: 熊野 (くせ) – Yuya (kuse). Die Handlung hat sich mir nur bruchstückhaft erschlossen, es scheint um eine alte Frau zu gehen, die gerne zur „hanami“ ([Kirsch]Blütenschau) in Kumano (auch 熊野 – „Bärenfeld“) möchte, jedoch nicht kann, weil sie alt und gebrechlich ist. Darum klagt sie ihr Leid. くせ – kuse lässt sich vielleicht mit „Erlösung“ übersetzen, allerdings bin ich nicht sicher. Ich werde das „Stück“ nochmal lesen müssen und etwas dazu recherchieren um Klarheit zu schaffen.
Jedenfalls habe ich nun den Text dazu „gelernt“, was nicht ganz einfach ist, da das japanische „Notensystem“ beim Nô nicht ganz… öhh… einfach ist. Man hat den Text und an der Seite der Schriftzeichen markieren kleine Punkte und andere Zeichen die jeweilige Intonation, Geschwindigkeit, Tonlänge, Tonhöhe usw. Nun war ich ja schon in westlicher Musik nie ein Genie, aber das hier schlägt dem Fass echt den Zacken aus der Krone (oder wie man so schön sagt). Ich habe die Betonung nun fast schon wieder vergessen, allerdings werde ich sehen, ob ich nicht irgendwo eine Aufnahme davon finden kann.
Der wirklich schwierige Part war allerdings der dazugehörige Tanz. Es ist ein bisschen wie „kata“ lernen beim Katori, nur dass man hier noch mehr Bewegungen hat und ebenso viele Details auf die zu achten ist. Darüber hinaus darf man nie die Grundkörperhaltung vergessen, was die Sache noch erschwert.
Allerdings denke ich, hat man mir meine Bemühung angesehen und das Feedback durch meine Mitschüler war doch recht positiv. In naher Zukunft erhalte ich wohl auch meine eigenen tabi (jap. Socken bei denen der große Zeh extra abgenäht ist) und meinen eigenen ôgi (großer Fächer aus dicker Pappe und Bambus).
Ich bin gespannt wie es weiter geht!
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21.04.08
Heute war ein ziemlich Nô-lastiger Tag (was an und für sich aber nix schlechtes ist denke ich).
Ich traf mich um 11 Uhr mit meinem „Japanisches Theater“-Professor am vorher verabredeten Ort, um seiner Lehrstunde im Nô beizuwohnen. Ich scheine mir absichtlich die Zeit falsch notiert zu haben und hab es dann wieder vergessen, denn ich war eine halbe Stunde zu früh da. ![]()
Naja, besser als zu spät zu kommen, ich werde das in Zukunft immer so handhaben (hallo Schatz!
).
Die Stunde war äußerst interessant. Das Nôgakudô (Nô-Theater) in dem wir uns trafen sah ziemlich alt aus und hatte eine sehr heimelige Atmosphäre, vor allem das kleine Tatami-Zimmer, in dem der Unterricht stattfand.
Vorerst gab es aber guten grünen Tee, vom Nô-Meister selbst gemixt und gereicht. Gesessen wurde selbstredend auf einem Sitzkissen am Boden. Anfangs im Seiza (formaler Kniesitz), den ich hin und wieder jedoch gegen einen etwas informelleren Schneidersitz eintauschte. (Vornehmlich immer dann, wenn ich überhaupt kein Gefühl mehr in Füßen und Unterschenkeln hatte – dieses Kribbeln danach… aiaiai!
)
Doch meine ehemalige Seiza-Toleranz steigt wieder, denn ich kann mittlerweile wieder längere Zeit so verweilen, ohne dass mir danach die Füße abfallen oder ich sofort aufs Gesicht falle wenn ich aufstehe… nicht dass das je passiert wäre… o_O
Die Unterrichtsstunde lief im großen und ganzen wie meine Einheiten im Zirkel ab. Erst wurde gesungen, dann wurde getanzt (und gesungen).
Am Ende wurde ich noch zur nächsten Veranstaltung des Meisters eingeladen und er bat mich, wenn ich denn könne, die nächsten Male wieder meinen Professor zu begleiten. Na aber selbstredend!
Anschließend ging ich mit meinem Prof zusammen zurück zur Uni, unterhielt mich mit ihm über dies und das und genoss das sonnige Wetter. Nach einem kurzen gemeinsamen Mahl in der Mensa machte ich mich auf zum Zirkel um selbst ein wenig zu üben.
Es gab viel aufzuholen, ich lernte den Text des Liedes noch einmal (nahm es aber diesmal vorsichtshalber mit dem neuen Diktiergerät auf) und machte mich anschließend daran, die komplizierten Tanzschritte und ihre Abfolge zu lernen. Das Topping auf dem Ganzen stellte dann der Versuch dar, zum richtigen Text die richtige Bewegung auszuüben, was mir noch nicht sooo gut gelang, aber hey, war ja erst die dritte Stunde und ich schlag mich als Langnase ganz gut denke ich!
Im Übrigen findet im August ein Gasshuku, eine Art Versammlung, der Nô-Zirkel diverser Universitäten statt, bei dem gemeinsam getanzt, gesungen und vorgeführt wird. Ich bin arg gespannt auf dieses 5-Tagesereignis, will ich doch auf jeden Fall daran teilnehmen!
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25.05.2008
Heute schlief ich erstmal aus.
Gegen 13.00 Uhr machte ich mich dann auf zum Zirkel wo ich gegen 14.00 eintraf.
Zu meinem Erstaunen waren alle schon fleißig dabei, kamen die ersten doch bereits um 12.30… nagut, wenn sie es so wollen… komm ich nächstes Mal eben auch früher!
Ich unterhielt mich erstmal eine Weile mit Shizuka-san, welche eine der älteren Schüler im Zirkel ist und mir manchmal ein wenig wie meine „Betreuerin“ vorkommt, was aber garnicht so schlimm ist, denn sie ist erstens sehr nett und zweitens immer bereit mir zu helfen.
So orderte ich über sie vier Tickets für eine Nô-Vorstellung von Kobayakawa-Sensei im Juni, zu der mich mein Theater-Prof. und zwei weitere Studenten begleiten werden.
Die Karten sind für Studenten mit 50% Rabatt selbst in der höchsten Preisklasse erschwinglich.
Darüber hinaus stehe ich im Moment in der Zwickmühle, denn ich benötige (in erster Linie natürlich für mich selbst) Bühnenkleidung für die Versammlungen und das Training auf der richtigen Nô-Bühne.
Da ich nun etwas größer und auch breiter gewachsen bin als die meisten Japaner, muss eine solche „Uniform“ für mich extra angefertigt werden. Die Tatsache, dass ich schon seit langem unbedingt eine komplette Austattung klassischer japanischer Kleidung haben möchte ändert leider Gottes aber nix an dem hohen Preis dieser Ausstattung. In meiner Größe würde ich etwa 100.000 Yen bezahlen für ein Modell aus Seide.
Das ist natürlich ein riesen Haufen Geld (etwa 650 Euro oder 5/6tel eines Monatsstipendiums) und auch wenn ich dieses Geld freilich hätte, würde ich es dennoch nicht unbedingt für etwas ausgeben wollen, was ich möglicher Weise für lange Zeit nicht mehr genießen kann (und nur zum einstauben lassen ist es definitiv zu viel). Daher hadere ich nun mit mir ob ich dieses Geld aufbringen möchte oder nicht.
Leider drängt die Zeit ein wenig, denn die Anfertigung des Outfits bedarf etwa eines Monats, und das nächste „Bühnentraining“ ist schon bald. Ich hätte auch die Möglichkeit auf ein Modell aus Nylon/Polyester zurückzugreifen oder nur ein Teil des Outfits aus Seide anfertigen zu lassen… ich bin arg unschlüssig!
Ich werde wohl mal mit meinem Theater-Prof reden müssen, ob sein Lehrer nicht möglicher Weise auch gute und günstige Quellen für Kleidung kennt…
Das Training war dann sehr ergiebig. Alle waren erstaunt darüber, dass ich den Text meines Stückes schon fast auswendig konnte (7 Jahre extensiver Rap-Musik und einer entsprechenden genetischen Disposition sei dank
). Nur das ganze noch mit dem Tanz zu verknüpfen dürfte noch eine Weile dauern, denn auch wenn ich was die Memorierung der Bewegungen angeht nicht ganz untalentiert bin (Katori sei dank
), ist es doch noch ein Unterschied, ob man diese an einem Partner ausrichten muss, oder an einem Text… vor allem hierbei an der richtigen Textstelle auch den richtigen Schritt/Schwenker/Fächerhieb/sonstwas zu machen.
Ich freu mich schon auf Mittwoch, denn jedes Training komme ich ein Stück weiter und ich merke, dass mir die Konzentration während dieser Zeit sehr gut tut.
Darüber hinaus bin ich im Zirkel nur von Japanern umgeben, was mir wahnsinnig hilft mein Ohr etwas zu schulen.
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熊野
So, zur Korrektur:
Yuya ist die Geliebte des Taira Munenori (das Stück spielt also zur Blütezeit der Heike 平家). Sie erhält einen Brief ihrer kranken Mutter und möchte wenigstens ihr Gesicht gen Heimat wenden, doch Munenori möchte, dass sie sich die Kirschblüte mit ihm ansieht, damit sie auf fröhlichere Gedanken kommt. Sie streift also mit ihm umher und betrachtet die Kirschblüte und die Hauptstadt (Kioto). Wenig später kommt ein Ochsenkarren angefahren, der Besucher für eine Zusammenkunft birgt. Yuya soll betet in diesem Moment in der Halle der Göttin der Barmherzigkeit Kannon 観音, wird dann aber herausgerufen, um für die Gäste zu singen und sie zu unterhalten. Widerwillig, da deprimiert, singt sie von der Kirschblüte im Kiyomizudera 清水寺. Plötzlich zerstreut ein heftiger Regen die Blüten. Yuya besingt dieses und Munenori ist so tief berührt, dass er ihr letzten Endes gestattet gen Heimat zu fahren. Yuya dankt der Kannon für die barmherzige Tat und verabschiedet sich, bevor ihr Herr es sich anders überlegt, von der Gesellschaft.
Der Text der Stelle die ich lerne ist wie folgt:
立ち出でて峰の雲。花やあらぬ初桜の。祇園林下川原。南をはるかに眺むれば。大悲擁護の薄霞。熊野権現の移ります。御名も同じ今熊野。稲荷の山の薄紅葉の。青かりし葉の秋。また花の春は清水の。ただ頼め頼もしき。春も千々の花ざかり。
Ich würde auch eine Audio-File hinzuladen, fürchte aber, dass die einzige Aufnahme die ich besitze dem Text wenig gerecht wird, ist sie doch meine eigene.
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28.05.2008
Auf Grund meines Besuches bei der Heiwa Nakajima Zaidan kam ich erst relativ spät zum Zirkel. Ich unterhielt mich kurz mit Shizuka und gab ihr das Geld für die Nô-Karten, die ich für mich, meinen Theater-Prof und zwei weitere Studenten bei ihr bestellt hatte. Anschließend übergab sie mir im Namen des Zirkels ein paar Tabi, welche aber wie sich herausstellte viel zu groß sind… leider entspricht das Schuhinnenmaß mit nichten dem Maß für Tabi und so sind sie mir ein ganzes Stück zu groß. Das macht aber nichts, denn ich hatte mir am Mittag extra noch ein paar neue Tabi aus Baumwolle für den Zirkel zugelegt. (Diese sind erstens angenehmer zu tragen als die Nylon-Tabi die ich mir eine Woche vorher gekauft habe und sind überdies richtig eng am Fuß, sodass sie eben nicht wie die anderen ständig aufgehen und doof aussehen. Möglicherweise passen die Nylon-Tabi meinem Vater, da dieser breitere Füße hat… ich werde ihn mal fragen ob er Interesse hat.)
Anschließend hatte ich eine kleine Unterhaltung bezüglich meiner Bühnenausstattung und deren Preis. Ich habe Shizuka klar gemacht, dass 100.000 Yen für mich kaum eine Option darstellen. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich für Japan ein Riese bin und daher diese Kleidung extra für mich geschneidert werden muss, aber 100.000 ist mir trotzdem zu viel!
Sie versprach nochmal nachzufragen und nahm für konkretere Aussagen an mir Maß um die Schneiderin (die Frau des Sensei) zu fragen, was man da machen könne. Witziger Weise war ihr Maßband nicht lang genug, aber wir haben es schließlich doch hinbekommen.





Anschließend gab es Training! ![]()
Ich habe es nun mehr oder weniger geschafft die erste Hälfte des Stückes „aufzuführen“, soll heißen Text und Tanz gleichzeitig zu absolvieren… es gibt immer noch ein paar knifflige Stellen, aber mit Hilfe meiner Notizen dürfte das alles ein Kinderspiel werden… mehr oder weniger.
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04.06./07.06.2008
Ich fasse diese beiden Tage einfach mal zusammen, da meine Erfahrungen recht ähnlich waren.
Ich habe die letzten beiden Trainings gemerkt, dass ich doch in relativ großen Sprüngen Fortschritte mache, was mir von den anderen immer wieder gezeigt und bestätigt wird (und ich bin versucht zu glauben, dass dies in diesem Fall über die normale japanische Höflichkeit hinausgeht… das Training ist denke ich zu ernst um hier nicht ehrlich zu sein).
So schaffe ich es nun den kuse-Part von Yuya komplett aufzuführen, sprich also Tanz und Gesang zusammen. Natürlich kommt nun das große Feilen an den Details und ich merke immer wieder, wie tief diese Greifen wenn ich meine eigenen Bewegungen mit denen meiner Mitschüler oder gar denen von Kobayakawa-Sensei vergleiche (was will ich auch erwarten, ich bin ja gerade mal etwas über nen Monat dabei). Dennoch bin ich schon ein klein wenig Stolz auf meine Fortschritte, doch muss ich dazu sagen, dass ich hier sehr gut von allen unterstützt werde und 4-6 Stunden Training pro Einheit tun ihr Übriges denke ich.
Ich bin gespannt auf meine erste Performance auf einer Bühne, welche wohl im Juli stattfinden wird, bis dahin muss ich mich unbedingt noch um ein Outfit kümmern, womit ich leider nicht so gut vorankomme wie mit dem Training selbst. Die Kommunikation mit meinen Mitschülern ist eben leider doch leicht eingeschränkt, aber ich denke auch das wird sich in der nächsten Zeit noch bessern.
Am Mittwoch war ich wieder mit meinem Theater-Prof bei seinem Nô-Lehrer, von dem ich immer wieder beeindruckt bin. Er ist relativ jung (ich schätze anfang-mitte 40), doch eben schon sein ganzes Leben im Training. Ich freue mich bereits ein Stück mit ihm zu sehen, was wohl ebenfalls im Juli sein wird.
Apropos, morgen gehe ich mit meinem Prof und zwei anderen Studenten zu einer Nô-Vorführung von Kobayakawa-Sensei und seinem Sohn. Die ganze Veranstaltung wird etwas weniger als 6 Stunden dauern und ich werde versuchen so viel es geht daraus mitzunehmen. Ein großer Teil des Zirkels wird ebenfalls da sein, ich bin also in guter Begleitung.
Heute war ich verhältnismäßig lange beim Training, was einerseits daran lag, dass ich erst sehr spät angefangen hatte und andererseits an der Tatsache, dass ich versuchen will so viel Training zu nehmen wie ich kann. Am Ende kamen zwei der „älteren“ Studenten (also wahrscheinlich mein Alter, was für die Verhältnisse an japanischen Universitäten aber auch schon relativ alt ist) zum Zirkel und ich war überaus beeindruckt. Einer übt sich schon seit 6, der andere gar 8 Jahre im Nô und ihre Stimmen waren großartig. Im Moment ist es leider so, dass ich lerne mit einer sehr klaren Stimme zu singen und mich hauptsächlich darauf fokussiere die richtigen Melodien und Tonhöhen zu treffen.
Tatsächlich ist es aber so, dass Nô aus sehr vielen Zwischentönen besteht, welche durch ein außergewöhnlich schnelles und starkes Vibrato entstehen. Hinzu kommt eine Betonung der Silben, welche ich als „klagend“ oder „weinend“ bezeichnen würde. Auch ist die Stimmlage um einiges gedämpfter und tiefer als die Art und Weise die ich im Moment lerne. Ich muss mich wohl leider mit dem Gedanken anfreunden, dass ich erstgenannte während meinem kurzen Aufenthalt in Japan nicht mehr lerne, doch will ich versuchen mich privat diesem anzunähern.
Dies führt mich zu meiner Idee die ich schon vor einiger Zeit entwickelt habe.
Da sich mein Training mit meiner Heimkehr mit einem abrupten Ende konfrontiert sieht, möchte ich versuchen eine Gruppe in Berlin ins Leben zu rufen, um möglichst nicht aus der Übung zu kommen und das Nô bei uns etwas bekannter zu machen. Ich habe zwar noch nicht die geringste Ahnung wie ich das bewerkstelligen soll, doch da ich mich nach meiner meiner Rückkehr eh als Mitglied in der DJG eintragen möchte, werde ich die Gelegenheit nutzen und dort anfragen, ob es bereits Leute in Berlin/Deutschland gibt, die sich sowohl theoretisch, als auch praktisch mit dem Thema befassen.
Ich weiß dass ich nach meiner Rückkehr selbst weniger als ein Jahr Training hinter mir haben werde, doch wenn ich es schaffen kann das Gelernte bis zu meinem nächsten Japanaufenthalt zu behalten oder gar zu festigen und gleichzeitig Interessierten Nô näher zu bringen, wäre ich schon sehr zufrieden.
Auch wenn es nicht zu meiner eigenen Kultur gehört, so sehe ich es als eine Ehre an (und das gleiche gilt auch fürs Katori), dieses kulturelle Erbe weitertragen zu dürfen, oder mich wenigstens darin zu versuchen, denn es ist leider so, dass die klassischen Künste Japans im Aussterben begriffen sind.
Achja und um es noch kurz zu erwähnen:
Ich habe nun meinen eigenen Fächer! *FREU!*
Ich weiß, das klingt nach keiner großen Sache, doch ich bin höchst entzückt nun keinen Fächer mehr im Zirkel leihen zu müssen, sondern einen eigenen mein Eigen zu nennen, mit dem ich auch im Wohnheim trainieren kann.
Wie immer war der Weg hierhin einer der mit Laufen und nass werden in Verbindung stand (siehe auch den Eintrag „keiko-gi“ auf der Hauptseite). Ich hatte also Namen und Standort des Ladens von unserer Zirkel-Chefin erhalten, nur leider ist das japanische Adresssystem das beschissenste der Welt möchte ich meinen und so lief ich über eine Stunde im Nieselregen umher, ohne den Laden zu finden. Ein kurzer Anruf bei einem meiner Mitschüler ergab, dass der Laden eh schon zu hätte und so musste ich meinen Kauf auf den nächsten Tag verschieben. Ich muss hierbei erwähnen, dass ich wie immer Glück im Unglück hatte, denn ich fand auf meiner Suche einen kleinen Laden, der äußerst günstig Zori (Strohsandalen) verkauft, von denen ich mir auch noch welche besorgen wollte. (Ich musste zwar gut eine halbe Stunde im Laden stehen und warten und ab und zu rufen, bis mich der Mann des etwa 400 Jahre alten Ehepäarchens bemerkt hat, doch habe ich letzten Endes bekommen was ich wollte.)
Ich machte mir für den nächsten Tag also die Mühe und recherchierte die Lage des Ladens im Internet etwas genauer, nur um festzustellen, dass ich lediglich auf die andere Straßenseite gemusst hätte (mehr oder weniger). Der Laden selbst ist (wie so oft) ziemlich klein, doch verkauft er alles, was das Nô-Liebhaber-Herz begehrt. Nach einem kurzen Plausch suchte ich mir einen Fächer und einen dazugehörigen Brokat-Beutel aus und nachdem ich erwähnte, dass ich Mitglied im Nô-Zirkel der Hôsei bin, bekam ich sogar 10% Rabatt.
(Man hält halt zusammen! – Witzig war, dass die beiden sich in gedämpfter Stimme, aber direkt vor meinen Augen darüber beraten haben, ob ich denn einen Rabatt erhalten sollte… ich denke aber, dass allein der Umstand, dass sich ein Ausländer für ihre Kunst interessiert schon seinen Teil zum positiven Entscheid beigetragen hat.
)
Im Anschluss mal ein paar Bilder von dem guten Stück:




Ich werde sehen, dass ich mir vielleicht noch eine Text- und eine Tanz-Sammlung zulege, doch diese sind relativ teuer (Textsammlung [ich glaube] aller Nô-Stücke kostet etwa 20.000 Yen = ~120 Euro)… naja, aber ich hab ja bald Geburtstag. Beschenk ich mich halt mal großzügig selber.
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13.07.2008
An diesem wunderschönen Sonntag war ein ganz spezieller Mann in Tokio zu Besuch.
Udaka Michishige Sensei aus Kioto kam zu seinem dritten (?) Nô-Seminar nach Tokio, um hier Interessierten die Welt des Nô näher zu bringen. Da konnte ich natürlich nicht fehlen.
Ich brach in aller Früh in Honatsugi auf, wo Ronja und ich die Nacht verbrachten, nachdem wir bei Shôko zum Kochen waren (siehe hier). Das Hotel war in Ordnung… die Business-Hotels hier in Japan sehen in der Lobby alle aus wie das Hilton, auf den Gängen wie ein Road-Inn und in den Zimmern wie in nem Ibis. Meist kann man dort aber ganz angenehm nächtigen.
Ich machte mich wie gesagt also sehr früh los, nur um dann trotzdem eine gute dreiviertel Stunde zu spät zu kommen. Machte aber zum Glück nix. Hanna, eine Schülerin von Udaka-Sensei die ich in Berlin kennen lernen durfte, machte mir sofort einen Platz frei und ich lauschte dem Vortrag von Sensei über die diversen Energie-Punkte im menschlichen Körper und das „Dritte Auge“. Leider war ich ein wenig zu spät, sodass ich die Zusammenhänge nicht wirklich verstanden habe.
Im Anschluss meditierten wir ein wenig, machten einige Übungen um die Stimme zu lockern und meditierten noch etwas mehr. Dann ging es ans singen. Wir nahmen das Stück Oi Matsu 老松 – „Alte Kiefer“, welches etwa ein Drittel der Länge von Yuya hat und daher relativ kurz ist.
Ich muss sagen, dass ich von der Stimme Udaka-Senseis durch und durch überwältigt bin. Auch wenn ich wohl nie das Level der Herren erreichen werde, welche mir bisher auf meinem Nô-Weg begegnet sind, so will ich es doch wenigstens versuchen es ihnen gleich zu tun.
Nach dem Gesang gab es eine kurze Mittagspause. Ich ging mit zwei anwesenden Amerikanern hinaus auf der Suche nach einem Restaurant oder Kombini. Wir studierten skeptisch die Karte eines nicht wirklich billigen „italienischen“ Restaurants auf der anderen Straßenseite, als Sensei hinzukam. Ich unterhielt mich kurz mit ihm und erzählte, dass wir uns bereits einmal in Berlin begegnet sind. Wir sprachen über die Vorstellung von Inori und dass sie nicht wirklich gut angekommen ist, ganz im Gegensatz zu Dresden. Nachdem Sensei ebenfalls die Speisekarte studierte, zog er uns quasi mit seiner Präsenz in das Restaurant, wo eine (für japanische Verhältnisse) relativ unhöfliche junge Dame unsere Bestellungen aufnahm.
Ich unterhielt mit weiter mit Sensei und er erzählte mir einige Dinge, welche mich im Nachhinein ziemlich geprägt haben. Zuerst ging es um die Intention, welche hinter dem Stück Inori steckt. Ich hatte mir in Berlin damals leider kein Programm gekauft, sodass mir die Erklärung Senseis leider fehlte, was auch für meine Kritik damals sorgte. Allerdings muss ich sagen, habe ich – und auch sehr sehr viele andere in Berlin – wohl überhaupt nicht verstanden, was er mit diesem Stück aussagen wollte.
Die Hintergrundgeschichte zu dem Stück basiert auf einer Erfahrung die Udaka-Sensei bei einem Aufenthalt in Hiroshima gemacht hatte. Er erzählte mir, dass er in seinem Hotelzimmer damals auf einmal eine fremde Präsenz spürte welche sich im Raum befand. Am nächsten Tag fragte er den Hotel-Besitzer nach Ursachen für dieses Gefühl. Dieser erzählte ihm von der tragischen Geschichte einer Frau, die ihr Kind bei dem Bombenangriff auf Hiroshima verloren hatte.
Sensei verarbeitete dies nun zu einem Nô-Stück – der Stoff ist an sich ja schon fast prädestiniert dazu – allerdings muss man hierzu eine spirituelle Konnotation miterwähnen, ohne die das Ganze keinen Sinn machen würde. Udaka-Sensei ist wohl einer der spirituellsten Japaner unter denen, die mir bisher begegnet sind und ich meine das seine Ausstrahlung auch eine komplett andere ist.
So erklärte er mir dann auch, dass der shite – der Hauptdarsteller eines Nô-Stückes – auf der Bühne zu einem Boddhisattva würde, der versucht, das Publikum, aber auch den Geist der Person die er darstellt zu segnen oder zu befrieden. Im Falle von Inori gilt das Gebet all den Opfern der Kriege „unserer Zeit“. Nicht nur den Opfern der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, sondern all den Kriegstoten der Weltkriege, all den Toten der Terroranschläge der letzten Jahre und all den Toten der Kriege darauf folgten.
Er erklärte mir weiter, dass es so viele Seelen gäbe, die vorzeitig aus dieser Welt gerissen wurden und die nun hier verweilen und sich fragen „WARUM?“ – und welche darum keine Ruhe finden. Nur wenige beten für diese Seelen, denn keiner kennt ihre Namen und so soll das Stück einen kleinen Beitrag dazu leisten diesen Seelen zu helfen.
Ich muss sagen, dass mich diese Intention tief berührt hat und dass ich mir vorgenommen habe auf meiner Pilgertour durch Kioto ebenfalls etwas Zeit dazu zu verwenden, für all die Seelen zu beten, für die sonst niemand betet!
Nach dem Essen – welches im Übrigen Sensei großzügiger Weise bezahlt hat! – ging es wieder zurück zum Üben. Es folgten erste Einführungen darin, wie man den Fächer zu halten hat und in die Grundhaltung – kamae - welche ich durch mein Training wohl einigermaßen gut hinbekommen habe. Als nächstes kam eine rasche Erklärung des Ablaufs des Stückes, sowie einige Details wie das sashi-komi - eine Art nach vorne zeigen mit dem Fächer – und das hiraki, bei dem man die Arme weit öffnet und zwei Schritte nach hinten geht. Die Erörterungen und Eselsbrücken von Sensei fand ich sehr gut, auch wenn ich einige davon bereits aus meinem Training kannte. Am besten gefiel mir sein Hinweis auf die Serie „Kung-Fu“, in deren Pilotfolge Kwai-Chang-Caine einen riesigen glühenden Eisenkessel mit den Unterarmen hochhebt, sodass sich Tiger und Drache, die Insignien seines Tempels in die Haut brennen.
In meinen Augen ein überaus sinniger, wenn auch ungewöhnlicher Vergleich… macht es aber einfach sich die Bewegung richtig vorzustellen!
Das Highlight des Tages für mich war die Möglichkeit eine Nô-Maske zu tragen. Hierzu gehört eine Menge Vorsicht, denn die guten Stücke sind äußerst empfindlich und deshalb behutsam zu behandeln. Hierbei geht es in erster Linie nicht darum, dass sie aus Holz sind und daher vielleicht zerbrechen könnten, sondern eher darum, dass die Bemalung aus Farben auf Wasserbasis besteht und diese daher äußerst empfindlich auf Schweiß reagiert. Daher darf man die Maske nur an den „Ohren“, wo die Kordel befestigt wird, anfassen.
Hier mal zwei Bilder von mir mit Maske:
Die Masken wirken auf der Bühne durch die oppulenten Kostüme zwar immer relativ klein, allerdings kann man denke ich ganz gut sehen, dass den nicht so ist. Sensei meinte, dass mein Gesicht sehr gut fürs Nô sei, da man mein Kinn unter der Maske sehen kann, was wohl so gewollt ist… eine weitere Entschuldigung für mich mein Doppelkinn noch eine Weile zu behalten!
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Zum Ende des Seminars führte jeder noch zwei Mal das Gelernte Stück vor und dann beendete Sensei den Tag mit einigen Dehnübungen.
Ich freue mich bereits darauf wenn ich übernächste Woche nach Kioto fahre, denn mit etwas Glück kann ich mich dann mit Hanna und vielleicht auch Sensei treffen.
Abschließend muss ich noch erwähnen, dass es zwischen der Kongô-Schule 金剛流 die Udaka-Sensei ausübt und „meiner“ Schule, der Kanze-Schule 観世流, enorme Unterschiede gibt. Nicht nur im Gesang, sondern vor allem in vielen Details. So kniet man in der KoS auf dem linken Knie ab, während man in der KaS auf dem rechten Knie absitzt (was mich immer verwirrt hat, da ich es vom Katori gewohnt bin links abzuknien). Auch wird der Fächer komplett anders gehalten. Die Bezeichnungen für die Bewegungen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht und auch einige der Grundbewegungen sind komplett anders. Ich hatte demnach einige Schwierigkeiten mich „einzufinden“, was aber kein Problem darstellt. Sensei meinte sogar, dass es durchaus auch shite gibt, die beide Schulen gelernt haben.
Ich will nun nicht die Schule wechseln, dafür gefällt es mir in der Kanze-Schule aus diversen Gründen viel zu gut, allerdings möchte ich jede Gelegenheit nutzen mir Nô aus den verschiedensten Blickwinkeln anzuschauen. Hanna fragte mich, ob ich denn Kobayakawa-Sensei gefragt hätte, ob es okay ist dieses Seminar besuchen zu gehen, allerdings muss ich hierzu sagen, dass ich trotz allen Respektes vor Sensei darauf verzichtet habe „um Erlaubnis zu bitten“. Dies mag hierzulande möglicher Weise ein Fehler sein, doch bin ich kein Japaner und ich lasse mir das Recht nicht nehmen mir auszusuchen, von wem ich lerne.
Ich denke allerdings auch nicht, dass dies zu irgendeinem Problem führt, solange ich das nicht im Zirkel herausposaune. :-X
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26.07.08
Nachdem ich Ronja heute morgen zum Flughafen brachte, machte ich mich auf zum Campus, um nach der stressigen Prüfungszeit mal wieder dem Zirkelleben beizuwohnen. Zu meinem Entsetzen war das Japanzimmer im 5. Stock nur leider geschlossen! O_o?
Ich ging also erstmal zum SevenEleven im Erdgeschoss und besorgte mir ein kleines Frühstück. Bei meinem zweiten Versuch traf ich auf Kiyota-San, welche gerade dabei war den Raum zu fegen. Wir unterhielten uns kurz über die Tests der letzten Tage und begannen mit dem Training. Leider war der Boden des Raumes irgendwie klebrig, was am Anfang ein wenig nervte, da es das gleitende Gehen beim üben fast unmöglich machte.
Nach einer Weile kamen noch Ueda-San und Nakata-San hinzu, die sich aber relativ früh wieder verabschiedete. Ich übte mit Ueda-San noch ein paar Mal den Text meines aktuellen Stückes, Tsuru Kame – Kranich und Schildkröte – und bekam das erste Mal die passenden Tanzschritte gezeigt. Das Stück ist vom Schwierigkeitsgrad etwa auf dem selben Level wie Yuya, nur das der gesamte Text des Stückes (ohne Tanz) etwa vier Mal so lang ist und schwer zu memorieren. Schön ist, dass das Stück auch eine kurze Passage enthält, in der nicht gesungen, sondern gesprochen wird, was ein Erlebnis für sich darstellt, denn die Art und Weise wie im Nô Dialoge geführt werden wird höchstens noch vom Kyôgen getoppt!
Ich kann es leider überhaupt nicht beschreiben, das muss man schon gehört haben.
Der Tanz des Stückes ist hingegen relativ kurz und gut zu merken und weist nur wenige kleine Tücken auf.
Ich muss sagen, dass ich ganz froh bin nun etwas neues zu lernen. Nicht dass ich mit Yuya schon durch wäre, da gibt es immer und immer wieder noch Dinge die verbessert werden müssen, teilweise Basissachen, doch hält es auf jeden Fall die Motivation aufrecht mal was anderes zu machen.
Am Mittwoch ist wieder Lehrer-Training, ich bin gespannt wie es wird.


2 Kommentare
Mai 24, 2008 um 11:17
Bastian, Ich habe dich also im Internet gefunden! Ich bin Hanna, die am Udaka-kai in Berlin ausgeholfen hat. Du sollst dich mal bei Udaka-sensei melden. Er macht auch monatliche Nô Workshops in Tokyo. Du sollst mal teilnehmen. Das nächste ist am 12.7 nah an Shinjuku.
Juli 2, 2008 um 4:36
Huhu *winke*!
Nun hast du uns so schön von deinem neuen Fächer erzählt, aber nicht, wie er denn in der Hand liegt und sich anfühlt
.
Die Geschichte mit dem 400 Jahre alten Pärchen ist so lieb…