Oktober 13, 2009

Big Brother

Oh man… je näher ich dem Ende meiner Hausarbeit zum Thema „gesetzliche Reaktionen der BRD auf den internationalen Terrorismus“ komme, umso mulmiger wird mir bei der Entwicklung, die das Ganze bislang genommen hat.

Präventivfahndung, Datenerhebung unauffälliger und unverdächtiger Personen, gemeinsame Indexdateien von Polizeibehörden und Geheimdiensten, Online-Durchsuchung… die Liste scheint schier endlos. Und das Problem ist, dass es nie aufhören wird. Unser werter Innenminister wird weiter alles mögliche ausprobieren und durch die stets positive Evaluation durch „Sachverständige“ der Regierung – und entgegen der Kritik von Datenschützern der Länder und des Bundes – werden die erweiterten Befugnisse der Dienste und des BKA weiter und weiter verlängert und erweitert. Dass dies bisher so gut wie keinen Erfolg gezeigt hat ist hier kein Argument, nein! Ist doch klar, kein Anschlag heißt, dass die Maßnahmen wohl gewirkt haben. Sollten wir aber doch einen Anschlag haben, so stehen dem BMI die Tore zur Totalüberwachung noch weiter offen… traurig ist, dass scheinbar 65 Jahre genug sind, um zu vergessen, was eine Aufhebung der Trennung von Geheimdiensten und Polizei bewirken kann. Ich will nicht sagen, dass wir bald wieder die Männer in schwarzen Mänteln und Schlapphüten in den dunklen Gassen vermuten dürfen, doch sollte man meinen, dass die verfassungsrechtlich festgelegte Trennung von Polizei und Geheimdiensten ihre Berechtigung hat, nicht nur in der Vergangenheit, sondern ebenso in der Gegenwart!

Ich will garnicht wissen, was für Blüten das noch treibt, vor allem, wenn der neue Personalausweis nächstes Jahr eingeführt wird. Ich werde meinen alten auf jeden Fall noch vorher erneuern, um wenigstens die nächsten 10 Jahre ohne so eine Chip-Scheiße durch die Gegend zu laufen… reicht schon, dass ich einen in meinem Reisepass habe.
Fehlt nur noch die Beseitigung des Verbots einer bundesweiten Datei für die Speicherung der in den Ausweisen und Pässen erhobenen biometrischen Daten und schon kann das Spektakel alà „Big Brother“ beginnen.

Ich sehe echt schwarz für Deutschland und das nicht nur, weil jetzt eine weitere Amtsperiode Schäuble angesagt ist… man hat ja leider gesehen, dass der die Arbeit vom Schily einfach nur konsequent weitergeführt hat. Scheinbar ist der Drang zur Totalüberwachung eine der Einstellungsvoraussetzungen für Bundesinnenminister… und der Datenschutz verkriecht sich vor Angst unterm Bett.

Na denn gute Nacht!

April 26, 2009

Trennstrich

So, nachdem ich mich nun einige Zeit wieder an mein Leben in Berlin gewöhnen konnte, werde ich versuchen, meinen Blog wieder etwas zu pflegen.

Wie genau die zukünftige Gestaltung sein wird, weiß ich noch nicht. Unter Umständen entsteht ein völlig neuer Berlin-Blog, oder aber ich benenne einfach jenen hier um.

Den Nô-Part werde ich bei Zeiten wohl ausgliedern und in einen eigenen Blog packen, in welchem ich mich etwas mehr dem Nô-Theater widmen werde, nicht nur von praktischer Seite (wie sonst), sondern auch aus der etwas theoretischeren Sichtweise.

Seid gespannt, ich bin es nämlich auch. :)

Februar 13, 2009

Good night ladies and gentlemen…

Wie sang der olle Frankie Blue eyes noch gleich?

„And now, the end is near and so I face the final curtain…“

Ich würde mich eigentlich nur ungern in die Reihe derer stellen, die am Ende eines Jahres im Ausland anfangen zu philosophieren und ganz dramatisch Resümee ziehen, dennoch kann ich natürlich nicht leugnen, dass die vergangenen 11 Monate bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben… und zwar in jegweder Hinsicht.

Das fängt an bei dem Umstand, dass meine Angebetete und ich es geschafft haben, für mehr oder weniger 1 1/2 Jahre in einer Fernbeziehung zu leben, ohne Dramen, ohne übermäßigen Streit oder Eifersüchteleien… das ist schon eine Menge wert und eine enorme Erfahrung.
Das geht weiter bei meinen Erfahrungen in der Nôgaku-kenkyû-kai, dem Nô-Zirkel der Hôsei, dem ich so vieles verdanke, nicht nur Kobayakawa-sensei, sondern auch meinen sempai und den anderen Mitschülern.
Ich hatte die Möglichkeit so viele wunderbare Menschen kennen zu lernen und Vorurteile auszuräumen, von denen ich vorher kaum dachte, dass ich sie habe. Ich konnte Freunde und Bekannte in allen denkenswerten Nationen dieser Erde gewinnen, West wie Ost, Süd wie Nord.
Ich durfte mich als Teil einer japanischen Familie sehen und wurde generell überall sehr herzlich aufgenommen, an der Uni, bei der Heiwanakajima-Stiftung, dem Zirkel, dem Sugino-Dôjô…

Dies ist sicherlich nicht das Ende dieses Bloges, viele Beiträge warten noch auf Vervollständigung, der Nô-Part wird womöglich ausgegliedert in einen eigenen Blog, da ich unter Umständen die Möglichkeit habe mein Training in Berlin fortzusetzen.

Ich danke bis hierhin erstmal allen, die mich unterstützt haben, mit Ratschlägen, mit lustigen oder denkwürdigen Kommentaren oder Anregungen.
Ich danke meinen Freunden in Berlin dafür, dass sie den Kontakt nicht haben abreißen lassen und dass ich trotz der momentanen Melancholie, die ich ob meiner Heimreise verspüre, dennoch in der Gewissheit lebe, dass in Berlin Menschen auf mich warten.
Außerdem danke ich meiner Familie, die sich um mich gesorgt hat (wenn auch manchmal unter Umständen mehr als notwendig) und die sich meine Meckereien und auch meinen Enthusiasmus angehört haben… das wird auch nicht aufhören.
Und ich danke meiner Freundin. Dafür, dass sie der Mensch ist der sie ist und mich mit zu dem gemacht hat, was ich bin.

Good night ladies and gentlemen… I’ll be back in a while, so please don’t go to far away and leave the radio on.

… verdammt, jetzt hab ichs ja doch gemacht. DOH!

Januar 7, 2009

浅草名所七福神 – Namhafte Orte der 7 Glücksgötter in Flachgrasen

Für heute hatte unser Dozent für „Konzepte des Raumes in der Kulturhistorie Japans“ eine Exkursion angesetzt, an der die Teilnahme nicht zwingend war, da es aber interessant zu werden versprach und ich besagten Dozenten ganz gut leiden kann, machte ich mich gegen halb 12 auf den Weg zum Bahnhof, um überaus pünktlich um viertel nach 12 am Kaminari-mon in Asakusa aufzuschlagen.
Für diejenigen, die das „Donner-Tor“ nicht kennen, hier ein Foto:
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Der Sensôji war wie immer vollgepackt mit Ständen und Touristen und da es kurz nach Neujahr ist, kamen zu den üblichen festen Ständen noch dutzende kleine freistehende Buden dazu.

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Allerdings war diesmal nicht die Kannon im Tempel unser Ziel, sondern ein unscheinbarer Stand hinter den Buden für die Glückslose. Hier kauften sich die meisten von uns ein Shikishi, eine japanische Papptafel, welche man benutzt um Kaligraphien auszustellen, aber in diesem Falle dazu da ist, um sich von den Tempeln und Schreinen den Besuch des Pilgerortes per Stempel und „Unterschrift“ bestätigen zu lassen.  Freundlicher Weise wurden diese von der Hôsei gesponsort, einschließlich des ersten Stempels. Dieser galt dem Daikoku-ten, dem großen Schwarzen, welcher für Wohlstand sorgt und dessen Figur sich gleich neben dem Fenster für die Talismane und auch die Papptafeln befand.

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Danach ging es zum Asakusa-Schrein, welcher sich ganz im Schatten seines großen buddhistischen Bruders, dem Sensôji (beides schreibt sich mit 浅草), befindet und etwas unscheinbarer wirkt. Doch ist er nicht minder berühmt. Hier verehrt man Ebisu, welcher für viel Ehr sorgt.

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Auf dem Gelände des Schreins fand sich eine weitere traditionelle Spezialität der Edo-Zeit: Ein Affen-Dompteur (Martin in Gedanken High Five gebend).
Dieses Überbleibsel der Edo-Zeit hält sich in Japan wohl nur, weil militante Vereinigungen wie PETA und Greenpeace hier keine Chance haben. :D

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Auf dem Weg zur nächsten Station machten wir halt an einem kleinen Kinderspielplatz, auf dem alle Kinder sofort Reißaus nahmen vor der Horde Ausländer. Grund für diesen Zwischenstopp war eine kleine Erhebung die unser Dozent uns zeigen wollte.

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Man mag es kaum glauben, aber genau an dieser Stelle stand mal der Fuji-san, oder Fujiyama wie man bei uns (eigentlich unrichtiger Weise) zu sagen pflegt. Wie jetzt, was jetzt, hat man den ganzen Berg umgesetzt, oder wie?
Nein, natürlich nicht, aber hier befand sich ursprünglich eine etwa 3-4 Meter hohe Nachbildung des Lieblingsberges der Japaner. Diese Nachbildungen gab es überall in Edo und wurden zwecks Pilgerreise auch als vollwertiger Ersatz für den echten Berg angesehen (zumindest aus spiritueller Sicht). Der Nachbau enthielt ebenso zwei Höhlen die man, mehr oder weniger, begehen konnte und einzelne Stationen zum abpilgern. Zudem war hier, im Gegensatz zum Original, Frauen der Zutritt gestattet. :)
Um diesen Platz herum erinnert vieles an den alten Hügel, überall finden sich Bilder vom Fuji und die Polizei-Wache, Straßen usw. sind alle nach ihm benannt.
Auf der Spitze selbst findet sich nunmehr nur noch eine Marke mit Richtungs- und Entfernungsangabe zum echten Fuji.

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Unsere nächste Haltestelle war der Asama-Schrein, in welchem, die Göttin des Fuji (oder besser gesagt der Fuji in Form einer Göttin) verehrt wird. Allerdings gehört dieser nicht zur eigentlichen Pilgerroute.

Anschließend kehrten wir im Matsuchiyama Shôten ein, einem Tempel, welcher dem Bishamonten gewidmet ist. Dieser gehört zu den „Vier Himmelskönigen“ und war in erster Linie der Schutzheilige der Krieger. Darüber hinaus sorgt er für Anerkennung. Die Statue selbst habe ich nicht fotografiert, wohl aber eine schöne Deckenmalerei.

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Zudem hatten wir etwas Glück, denn bei unserer Ankunft fingen gerade zwei Trommler und ein Flötenspieler an, ein Stück auf einer kleinen Bühne zum Besten zu geben.

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Der Rest folgt in den nächsten Tagen.

Januar 2, 2009

明けましておめでとう! – Frohes Neues

Ich wünsche allen Lesern, die immer noch regelmäßig gespannt auf den Link dieses Bloges klicken, um zu sehen, was mir hier so widerfährt, ein frohes neues Jahr 2009.

Ich hoffe für jeden, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen und dass er genug Kraft hat, all jenes zu schaffen, was er sich womöglich für dieses Jahr vorgenommen hat.

Das Jahr des Ochsen wird mit Sicherheit ein arbeitsreiches, aber dies sollte uns nicht schrecken, sondern uns dazu anspornen, vom ersten Tage an unser Bestes zu geben.

In diesem Sinne hoffe ich, dass alle ihren Neujahrs-Kater überwunden haben und sich nun voller Elan in die Arbeit stürzen können.

Frohes Neues!

Neujahrs-Glocke

Neujahrs-Glocke

Dezember 25, 2008

Japanische Weihnachten

Hm, was ließe sich hierzu wohl schreiben?

fangen wir mal mit den Basis-Dingen an, das Wetter. Im Moment sind es in Tokio immer noch milde 10 Grad wenn man Glück hat und der Himmel ist in letzter Zeit wunderschön klar.

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Abends stürmt es dafür häufiger mal, so wie in diesem Moment.

Glücklicherweise ist Weihnachten hier erfrischend unaufdringlich, sodass man nicht von komischen Männern in roten Anzügen genervt wird (außer im IC, wo Bryce der Ami letztens mit so einem Teil aufkreuzte…) und wenn man von den ständigen Weihnachtsjingles in den Supermärkten absieht, bleibt man hier vom ganzen Brimborium weitestgehend verschont.

Heiligabend

Aus diesem Grunde hatte ich gestern auch noch Unterricht, was mich garnicht so sehr störte, da es sich um den Kurs von Takao-sensei handelt, den ich trotz einiger gewöhnungsbedürftiger Umstände gerne besuche.

Ich verließ den Kurs allerdings schon vorzeitig, da ich ab halb sechs Nô-Training bei Kobayakawa-Sensei zu Hause hatte und da dieser relativ weit draußen wohnt, mussten wir schon recht früh aufbrechen.
Das Training selbst war eine Tortur, weil nach zwei Stunden im Seiza (Kniesitz) meine Füße ohne Gefühl waren und meine Knie weh taten, dass ich mir gewünscht habe, dass auch diese taub werden mögen.
Da das Weihnachtspaket von Ronja noch nicht da war und sie selbst leider auch nicht, war ich an dem Tag ein wenig geknickt, doch sollte ich unerwarteter Weise ein Geschenk von meinem älteren Mitschüler Tsuruyama erhalten.
Kurz vor Trainingsbeginn kam dieser auf mich zu und meinte „Ich habe ein Weihnachtsgeschenk für Dich“, wobei er etwas nicht identifizierbares aus seiner Tasche holte. Er überreichte es mir und ich sah, dass es ein Brokat-Beutel war. Ich öffnete ihn und zum Vorschein kam dieses:
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Ich präsentiere hiermit nun meine mittlerweile zweite Nô-Maske. Ich war natürlich erstmal sprachlos, bedankte mich dann aber ausgiebig. Tsuruyama-san sagte lediglich, dass er diese Maske selbst einmal von jemandem geschenkt bekam und er gerne wollte, dass ich sie als Erinnerung an meine Zeit im Zirkel mit nach Deutschland nehmen solle. Ein wirklich schönes Geschenk.

Nach dem Training lud Sensei uns zum Essen in ein kleines Restaurant ein, welches wir für uns und seine Familie alleine hatten. Diese ist mit stolzen 6 Kindern erstaunlich groß. Ich lernte auch das erste Mal seine Frau kennen, die überaus nett ist und mit der ich mich gut unterhalten habe.

Nachdem ich wieder im Wohnheim war tätigte ich ein paar Weihnachtsanrufe bei Ronja und meiner Familie und ging dann spät aber doch zufrieden ins Bett.

25. Dezember

Ich musste morgens leider feststellen, dass mein Weihnachtsgeschenk von Ronja immer noch nicht da war, was mich ziemlich aufregte, sodass ich erstmal ins Bett ging und noch zwei Stunden weiter schlief. Nach dem Aufstehen ließ ich mir viel Zeit beim Duschen und Anziehen und machte mich dann, anfangs etwas unmotiviert, auf nach Jinbôchô/Kanda, dem Buch-Antiquariats-Viertel hier in Tokio. Meine Laune besserte sich von Geschäft zu Geschäft und ich fand ein Schnäppchen nach dem anderen. Es soll jetzt keiner denken ich hätte sone Art Buch-Fetisch oder so, aber ja… es stimmt.

Nach einigen wirklich genialen Fängen, wie zum Beispiel einem niegelnagelneuen Buch über Geschlechtskrankheiten in Edo (dem alten Tokio) für umgerechnet 4 Euro, oder einem etwas angestaubten Buch über die Beziehung zwischen Zen und Nô, wurde es recht schnell dunkel und einige Läden schlossen bereits ihre Pforte. Ich machte mich auf den Rückweg zum Bahnhof, als ich genau um die Ecke von selbigem einen Laden fand, den ich wohl zurecht als den besten Laden auf der ganzen Welt bezeichnen darf.
Ein Buchladen der sich auf genau zwei Fachbereiche spezialisiert hat:
Nô und Kampfkunst

Ich war im Paradies, denn dieser Laden, gepaart mit meinem Buch-Fimmel ergäbe Stunden des Bummelns und Suchens, was lediglich dadurch getrübt wurde, dass der Laden recht schnell nach meinem Eintreffen Feierabend machte. Doch nicht, bevor ich zwei Ausgaben eines sehr begehrten Buches erhaschte, dem Bugei Ryûha Daijiten, dem großen Lexikon der (japanischen) Kampfkunst-Schulen. In diesem Nachschlagewerk finden sich namentlich tausende von Schulen erwähnt und so bekannt auch deren Gründer, die Gründungszeit, das Curriculum, die Beziehungen untereinander usw. usf.
Das Buch ist so begehrt, dass man bei Ebay öfters mal Ausgaben um die 200-300 Dollar findet und ich habe zwei Ausgaben für weniger bekommen.
Ich habe bereits mehrere Kandidaten für das Buch, doch da bei mir das Prinzip herrscht „wer zuerst fragt bekommt zuerst, vorausgesetzt, ich finde eine Ausgabe für mich selbst“, weiß ich schon, an wen die zweite gehen wird.

Dazu habe ich dann auch noch eine Ausgabe der „Einführung in die Tänze der Kanze-Schule“ gefunden, welche mich gebraucht recht günstig kam, wobei lediglich der Bindfaden der japanischen Bindung gerissen ist, das Buch also sonst eine Top Qualität hat.

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Nachdem ich mich also dermaßen großzügig selbst beschenkt hatte, machte ich mich auf den Weg zurück ins Heim um nochmals mit meiner geliebten Freundin zu telefonieren und endlich etwas zu essen.
Dort angekommen sah ich dann, dass mein Weihnachtspaket endlich gekommen war mit vielen schönen Sachen, wie massig Süßigkeiten und zwei künstlerischen Meisterwerken meines Neffen, passend zur Jahreszeit.

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Unabhängig davon was der morgige Tag noch bringt kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass dieses Jahr trotz meiner Trennung von Geliebter und Familie, doch nicht so trostlos war, wie ich befürchtet hatte.

In diesem Sinne wünsche ich all meinen Lesern ein fröhliches Weihnachtsfest und verspreche, dass ich demnächst wieder etwas fleißiger sein werde.

Dezember 2, 2008

Diskriminierung führt zur Völkerverständigung

So, erstmal an alle die es interessiert:
Der Moustache ist wieder ab, schließlich heißt es ja „Movember“ und nicht „Mozember“.

Nun zum Thema…

heute hatte ich meine zweite Präsentation innerhalb von zwei Wochen. Die letzte war letzten Montag und endete aus meiner Sicht in einer Katastrophe, weil ich die Nacht davor nicht geschlafen hatte und mir irgendwie der Elan fehlte. Dennoch war die Bewertung meiner Dozentin durchaus positiv… was aber kein gutes Zeichen ist, denn wenn es soo viel schlechtes zu sagen gibt, dann hält man sich hier gerne zurück und sagt stattdessen was nettes. Wenigstens wurde mir (und ich glaube in diesem Falle ehrlich) angerechnet, dass ich mir die Mühe gemacht habe der Grimms „Hase und Igel“ selbst ins Japanische zu übersetzen und ich muss sagen, dass ich selbst erstaunt war, fiel doch die Korrektur meines lieben Freundes Imasaki weniger umfangreich aus, als ich eigentlich dachte… die zweite Geschichte „Warum beschnuppern sich die Hunde“, welche ich noch um 4 Uhr Nachts vor der Präsentation anfertigte, enthielt aber scheinbar einige merkbare Fehler, ich werde diese also nochmal korrigieren und meiner Dozentin überreichen.

Die Präsentation heute verlief ähnlich holperig. Ich wurde nur knapp fertig mit der Vorbereitung und hatte daher kaum eine Möglichkeit meine Präsentation vernünftig vorzubereiten (Schuld eigene, geb ich ja zu), was in Kombination mit meinen eingeschränkten Fähigkeiten halbwegs wissenschaftliche Vorträge auf Japanisch zu halten und (mal wieder) meiner Müdigkeit dazu führte, dass ich etwas tat, was ich eigentlich sonst bei allen bemängelte: Ich laß ab.
Mich also quasi an jedem Wort entlang hangelnd brachte ich so ein Thema zu Tisch, welches hier in der Öffentlichkeit gerne mit einem Tabu belegt wird, nämlich der Diskriminierung von allem Möglichen, was nicht zu 100% japanisch ist, oder der gesellschaftlichen Vorstellung gegenüber opportun.

LEIDER BUDDHAS war das einzige Feedback auf meine Frage „Wer von Euch hat denn schon mal Diskriminierung hier erfahren?“ jenes, welches Arthur der Amerikaner mir gab. Nämlich „Ich wollte neulich in einem Computer-Shop einkaufen gehen, aber draußen stand ein Schild, das besagte, dass Ausländer hier leider nicht rein dürfen.“ DANKE ARTHUR! DAVON HABE ICH JA GEREDET!!! Die Koreaner und Chinesen im Kurs hielten sich (bis auf die gute Nahyong) leider mit Kritik zurück… nein, von EUCH wurde hier NOCH NIE einer diskriminiert… wie komme ich auf den Gedanken?

Fakt ist aber, dass es in Japan eine unterschwellige Xenophobie und Abneigung gegenüber alles mögliche gibt, die so sicherlich kein zweites Mal auf der Welt existiert. Ich sage nicht, dass es die Regel darstellt… aber es ist mit Sicherheit keine Ausnahme. Die Verblendeten alten Säcke am Yasukuni-Schrein sind da sicherlich noch die kleinere Spitze des Eisberges.

Der Kommentar den meine Lehrerin zu dem Thema hervorbrachte machte mich dahingegen äußerst wütend und zeigt eine Borniertheit, welche ich ums Verrecken nicht als den Standard in diesem Land deklarieren möchte… aber könnte. Zitat:
„Naja… aber was ist denn mit dem IC (gemeint ist das International-Center der Hôsei, welches ein Sammelpunkt der Austauschstudenten ist und wo täglich viele japanische Studenten hinkommen um Englisch oder andere Sprachen von Muttersprachlern zu lernen und Freundschaften zu knüpfen) zum Beispiel. Das ist doch auch Diskriminierung gegen Japaner… also ich bekomme keinen kostenlosen Kaffee und ihr habt da Computer mit denen ihr einfach so ins Internet könnt, die japanischen Studenten können das nicht so einfach.“

Okay, ich will ja versuchen nicht mehr so viel zu fluchen, aber WHAT THE FUCK?

Erstens ist im IC jeder willkommen und jeder bekommt dort gratis Kaffee, wenn er denn in der Lage ist einen Plastikbecher unter den Warmhalteautomat zu stellen und einen komplizierten Hebelmechanismus zwecks der rechten oder linken Hand durch nach unten drücken in Gang zu setzen, sodass sich die warme Brühe ins Gefäß ergießt. Es steht sogar eine nette Einladung daneben: „Relaxe kurz und nimm Dir eine Tasse Kaffee… lass Dich gehen“.
Man muss halt nur das Interesse aufbringen und dort hinkommen und sich unter die Ausländer begeben. Nicht dass das gefährlich wäre und zur Not ist im „Vorzimmer“ ja immer noch die 5 mal größere Stube des Ausländerbüros der Hôsei, in der immer Betrieb herrscht, ausschließlich besetzt mit Japanern… und unsere (Glas)Tür steht offen, sodass Schreie sofort gehört werden.
Die Computer stehen ebenso zur freien Verfügung, sofern man es schafft, sich mit seinem Studentenaccount dort einzuwählen… im übrigen überhaupt nicht verschieden von den beiden großen Computer-Pools drei Stockwerke unter dem IC, welche für jeden Studenten zugänglich sind und wo man auch Drucker und Scanner benutzen kann… ein Luxus, der uns vergönnt ist. Es sei denn natürlich, wir machen uns den Weg nach unten.

In diesem Auswuchs von Borniertheit (die nicht nur nicht mehr so schlecht ist, dass man drüber lachen könnte, sondern so schlecht, dass man schon wieder lachen könnte weil man sonst weinen müsste) endete dann auch meine Präsentation und ich bekam ein paar Minuten später meine „Bewertungszettelchen“ von meinen KommilitonInnen wieder.

Zu meiner Überraschung fast alle mit einer sehr hohen Punktzahl (welche aber leider keine Auswirkungen auf meine Note haben werden). Dies zeigt mir aber vor allem zweierlei:
Asiaten sind im Allgemeinen zu höflich um direkt auf die Fehler einer Person hinzuweisen (bis auf einen einzigen und dafür danke ich ihm!) und ich habe scheinbar mit der Präsentation einen Nerv getroffen, der sonst womöglich von einem Berg an Geduld und stiller Hinnahme gegenüber der täglichen Diskriminierungen bedeckt ist. Oder sie waren wirklich einfach nur höflich.

Auf jeden Fall gefiel mir ein Kommentar ganz gut und deshalb möchte ich ihn hier posten, in der Hoffnung, dass Menschen ihn lesen und sich zu Herzen nehmen.
Er stammt von 魏蘭san, wobei ich nicht weiß, ob es sich hierbei um eine Frau oder einen Mann handelt, weil ich das Kanji für den Vornamen nicht entziffern kann. So oder so:

„Danke für die tolle Präsentation!!! Beim Thema Diskriminierung gilt es immer noch einen großen Berg an Punkten zu lösen, aber da niemand gerne diskriminiert wird, sollten wir als erstes damit anfangen selbst nicht mehr zu diskriminieren.“

Hierin steckt viel Wahrheit… es möge sich jeder zu Herzen nehmen!

Namu amida bu!

November 11, 2008

Remember remember, the 1st of Movember

Jaja, da hat sich der Idiot wohl verschrieben… oder doch nicht?

Aus gegebenem Anlass, habe ich mich dazu entschieden, mich mit Matthew dem Austausch-Australier zusammen zu tun und feierlich den Movember zu begehen.
Dies geschieht, indem man sich einen Moustache (deshalb Movember) wachsen lässt, so einfach.

Warum?
Nun, der Movember ist ein australischer Brauch, welcher seit 1999 existiert und Männer dazu anhält, sich einen Moustache wachsen zu lassen, um auf die Gefahren diverser „Männerkrankheiten“ (Prostatakrebs, Herzkranzgefäßerkrankungen usw.) hinzuweisen und Solidarität mit den Opfern derselben zu zeigen. Darüber hinaus kann man in Australien am Ende des Movembers seinen Bart abschneiden und das Geld dafür einer medizinischen Einrichtung, Stiftung u.ä. spenden.

In diesem Sinne „feiern“ wir also Movember und ich hoffe, dass auch einige der Menschen, die diese Zeilen lesen, mit uns ein Zeichen setzen, für eine bessere Männergesundheit.

Zum Beweis hier ein Foto meines momentanen (noch recht dünnen) Schnauzers.

Schnauzer-Attack

Schnauzer-Attack

Oktober 28, 2008

Aktualisierung

Neue Fotos vom Herbst hier in Chôfu auf meiner Fotopage:

Herbstbilder

Oktober 15, 2008

Japanische Vögel

Dieser Beitrag dreht sich ausnahmsweise nicht über all die Sorten menschlicher „Vögel“ die man in Japan so findet, sondern tatsächlich um das liebe Federvieh.

Ich muss ja gestehen, dass ich nie ein Freund morgendlichen Vogelgezwitschers war, schon garnicht, wenn man gerade aus einem Nachtclub nach Hause gestolpert kommt, aber hier ist es doch noch etwas schärfer.

Scheinbar sind die Vögel, welche vorher auf dem Campus der Tôkai ihr Unwesen trieben langsam aber sicher aus Kanagawa nach Chôfu gezogen, denn hier bietet sich täglich eine Geräuschkulisse des Grauens.

Der Typ Vogel den ich meine singt nicht etwa, so wie seine europäischen Verwandten, sondern er schreit… hoch, laut und ätzend, sodass man denkt, man wähne sich in einer Art Monster-Verließ.

Dazu kommen abertausende von Raben die in Japan meiner Meinung nach der einzige Grund sind, warum es keine Tauben gibt. Da verwundert es nicht, dass das Schriftzeichen für Vogel 鳥 auch gleichzeitig das Schriftzeichen für Rabe ist. Dies spricht wohl für sich und den Stellenwert dieses fliegenden Broilers.

Ich vermisse unsere Spatzen…