GEZ-Reform

Dagegen!

 

Vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis…

Ich weiß, ich bin ein fauler Hund, was die Schreiberei auf diesen Seiten angeht. Der Umstand, dass ich die letzten Wochen und Monate mit meiner Abschlussarbeit und meinem Umzug nach Frankfurt verbracht habe, soll hiermit als Entschuldigung den erzürnten Gemütern zur Genüge gereichen. Ich hatte ja nicht mal Zeit, mein Zweitprojekt – einen Blog übers Nô-Theater – anständig ins Netz zu bringen… ganz zu schweigen von meinen nichts-würdigen Gedanken auf dieser Seite.

Nun bin ich also in der Stadt Goethes angekommen… richtiger bin ich schon seit fast zwei Monaten hier und seit einer Woche habe ich sogar eine feste eigene Bleibe gefunden. Mein WG-Zimmer hier ist vergleichbar mit dem in Berlin, etwas kleiner, dezent billiger, aber dennoch gut gelegen; nah an der Uni, direkt am Main, weg vom Zentrum, nicht in der Einflugschneise des Flughafens… was will man mehr?
Meine Mitbewohner sind sehr nett und ich kann sagen, dass die Ungezwungenheit unter Studenten ein weltweites Phänomen ist, welches ich in den letzten 5 Jahren sehr zu schätzen gelernt habe.

Ich wünschte, ich könnte viel über diese meine neue temporäre Heimat berichten, doch ist es leider so, dass ich bislang nur wenig von ihr zu Gesicht bekommen habe. Meine akademischen Pflichten hielten mich, wie dämonische Kerkerwächter, davon ab. Doch nun bin ich frei… und das Wetter ist dermaßen beschissen, dass ich mich lieber in meinem Gefängnis einniste und es vermeide, häufiger als nötig vor die Tür zu treten. Jedem, der einen ausführlichen Bericht über die Flora und Fauna Frankfurts erwartet, sei also ans Herz gelegt, sich hiermit bis zum Frühjahr zu gedulden.

Mit etwas Glück bin ich alsbald in der Lage, meinen Umzug zu komplettieren, dann werde ich wohl auch anfangen, mich hier etwas heimischer zu fühlen, auch wenn es natürlich einige Dinge – vor allem Menschen – gibt, die ich leider nicht mitnehmen kann, und ohne die das Leben hier manchmal doch sehr trist sein wird.

Ich schließe mit einem Zitat des guten alten Johann Wolfgang von:

“Bescheidne Wahrheit sprech ich dir. // Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt, // Gewöhnlich für ein Ganzes hält.” – Faust I  (Mephistopheles)

Big Brother

Oh man… je näher ich dem Ende meiner Hausarbeit zum Thema “gesetzliche Reaktionen der BRD auf den internationalen Terrorismus” komme, umso mulmiger wird mir bei der Entwicklung, die das Ganze bislang genommen hat.

Präventivfahndung, Datenerhebung unauffälliger und unverdächtiger Personen, gemeinsame Indexdateien von Polizeibehörden und Geheimdiensten, Online-Durchsuchung… die Liste scheint schier endlos. Und das Problem ist, dass es nie aufhören wird. Unser werter Innenminister wird weiter alles mögliche ausprobieren und durch die stets positive Evaluation durch “Sachverständige” der Regierung – und entgegen der Kritik von Datenschützern der Länder und des Bundes – werden die erweiterten Befugnisse der Dienste und des BKA weiter und weiter verlängert und erweitert. Dass dies bisher so gut wie keinen Erfolg gezeigt hat ist hier kein Argument, nein! Ist doch klar, kein Anschlag heißt, dass die Maßnahmen wohl gewirkt haben. Sollten wir aber doch einen Anschlag haben, so stehen dem BMI die Tore zur Totalüberwachung noch weiter offen… traurig ist, dass scheinbar 65 Jahre genug sind, um zu vergessen, was eine Aufhebung der Trennung von Geheimdiensten und Polizei bewirken kann. Ich will nicht sagen, dass wir bald wieder die Männer in schwarzen Mänteln und Schlapphüten in den dunklen Gassen vermuten dürfen, doch sollte man meinen, dass die verfassungsrechtlich festgelegte Trennung von Polizei und Geheimdiensten ihre Berechtigung hat, nicht nur in der Vergangenheit, sondern ebenso in der Gegenwart!

Ich will garnicht wissen, was für Blüten das noch treibt, vor allem, wenn der neue Personalausweis nächstes Jahr eingeführt wird. Ich werde meinen alten auf jeden Fall noch vorher erneuern, um wenigstens die nächsten 10 Jahre ohne so eine Chip-Scheiße durch die Gegend zu laufen… reicht schon, dass ich einen in meinem Reisepass habe.
Fehlt nur noch die Beseitigung des Verbots einer bundesweiten Datei für die Speicherung der in den Ausweisen und Pässen erhobenen biometrischen Daten und schon kann das Spektakel alà “Big Brother” beginnen.

Ich sehe echt schwarz für Deutschland und das nicht nur, weil jetzt eine weitere Amtsperiode Schäuble angesagt ist… man hat ja leider gesehen, dass der die Arbeit vom Schily einfach nur konsequent weitergeführt hat. Scheinbar ist der Drang zur Totalüberwachung eine der Einstellungsvoraussetzungen für Bundesinnenminister… und der Datenschutz verkriecht sich vor Angst unterm Bett.

Na denn gute Nacht!

Trennstrich

So, nachdem ich mich nun einige Zeit wieder an mein Leben in Berlin gewöhnen konnte, werde ich versuchen, meinen Blog wieder etwas zu pflegen.

Wie genau die zukünftige Gestaltung sein wird, weiß ich noch nicht. Unter Umständen entsteht ein völlig neuer Berlin-Blog, oder aber ich benenne einfach jenen hier um.

Den Nô-Part werde ich bei Zeiten wohl ausgliedern und in einen eigenen Blog packen, in welchem ich mich etwas mehr dem Nô-Theater widmen werde, nicht nur von praktischer Seite (wie sonst), sondern auch aus der etwas theoretischeren Sichtweise.

Seid gespannt, ich bin es nämlich auch. :)

Good night ladies and gentlemen…

Wie sang der olle Frankie Blue eyes noch gleich?

“And now, the end is near and so I face the final curtain…”

Ich würde mich eigentlich nur ungern in die Reihe derer stellen, die am Ende eines Jahres im Ausland anfangen zu philosophieren und ganz dramatisch Resümee ziehen, dennoch kann ich natürlich nicht leugnen, dass die vergangenen 11 Monate bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben… und zwar in jegweder Hinsicht.

Das fängt an bei dem Umstand, dass meine Angebetete und ich es geschafft haben, für mehr oder weniger 1 1/2 Jahre in einer Fernbeziehung zu leben, ohne Dramen, ohne übermäßigen Streit oder Eifersüchteleien… das ist schon eine Menge wert und eine enorme Erfahrung.
Das geht weiter bei meinen Erfahrungen in der Nôgaku-kenkyû-kai, dem Nô-Zirkel der Hôsei, dem ich so vieles verdanke, nicht nur Kobayakawa-sensei, sondern auch meinen sempai und den anderen Mitschülern.
Ich hatte die Möglichkeit so viele wunderbare Menschen kennen zu lernen und Vorurteile auszuräumen, von denen ich vorher kaum dachte, dass ich sie habe. Ich konnte Freunde und Bekannte in allen denkenswerten Nationen dieser Erde gewinnen, West wie Ost, Süd wie Nord.
Ich durfte mich als Teil einer japanischen Familie sehen und wurde generell überall sehr herzlich aufgenommen, an der Uni, bei der Heiwanakajima-Stiftung, dem Zirkel, dem Sugino-Dôjô…

Dies ist sicherlich nicht das Ende dieses Bloges, viele Beiträge warten noch auf Vervollständigung, der Nô-Part wird womöglich ausgegliedert in einen eigenen Blog, da ich unter Umständen die Möglichkeit habe mein Training in Berlin fortzusetzen.

Ich danke bis hierhin erstmal allen, die mich unterstützt haben, mit Ratschlägen, mit lustigen oder denkwürdigen Kommentaren oder Anregungen.
Ich danke meinen Freunden in Berlin dafür, dass sie den Kontakt nicht haben abreißen lassen und dass ich trotz der momentanen Melancholie, die ich ob meiner Heimreise verspüre, dennoch in der Gewissheit lebe, dass in Berlin Menschen auf mich warten.
Außerdem danke ich meiner Familie, die sich um mich gesorgt hat (wenn auch manchmal unter Umständen mehr als notwendig) und die sich meine Meckereien und auch meinen Enthusiasmus angehört haben… das wird auch nicht aufhören.
Und ich danke meiner Freundin. Dafür, dass sie der Mensch ist der sie ist und mich mit zu dem gemacht hat, was ich bin.

Good night ladies and gentlemen… I’ll be back in a while, so please don’t go to far away and leave the radio on.

… verdammt, jetzt hab ichs ja doch gemacht. DOH!

浅草名所七福神 – Namhafte Orte der 7 Glücksgötter in Flachgrasen

Für heute hatte unser Dozent für “Konzepte des Raumes in der Kulturhistorie Japans” eine Exkursion angesetzt, an der die Teilnahme nicht zwingend war, da es aber interessant zu werden versprach und ich besagten Dozenten ganz gut leiden kann, machte ich mich gegen halb 12 auf den Weg zum Bahnhof, um überaus pünktlich um viertel nach 12 am Kaminari-mon in Asakusa aufzuschlagen.
Für diejenigen, die das “Donner-Tor” nicht kennen, hier ein Foto:
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Der Sensôji war wie immer vollgepackt mit Ständen und Touristen und da es kurz nach Neujahr ist, kamen zu den üblichen festen Ständen noch dutzende kleine freistehende Buden dazu.

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Allerdings war diesmal nicht die Kannon im Tempel unser Ziel, sondern ein unscheinbarer Stand hinter den Buden für die Glückslose. Hier kauften sich die meisten von uns ein Shikishi, eine japanische Papptafel, welche man benutzt um Kaligraphien auszustellen, aber in diesem Falle dazu da ist, um sich von den Tempeln und Schreinen den Besuch des Pilgerortes per Stempel und “Unterschrift” bestätigen zu lassen.  Freundlicher Weise wurden diese von der Hôsei gesponsort, einschließlich des ersten Stempels. Dieser galt dem Daikoku-ten, dem großen Schwarzen, welcher für Wohlstand sorgt und dessen Figur sich gleich neben dem Fenster für die Talismane und auch die Papptafeln befand.

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Danach ging es zum Asakusa-Schrein, welcher sich ganz im Schatten seines großen buddhistischen Bruders, dem Sensôji (beides schreibt sich mit 浅草), befindet und etwas unscheinbarer wirkt. Doch ist er nicht minder berühmt. Hier verehrt man Ebisu, welcher für viel Ehr sorgt.

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Auf dem Gelände des Schreins fand sich eine weitere traditionelle Spezialität der Edo-Zeit: Ein Affen-Dompteur (Martin in Gedanken High Five gebend).
Dieses Überbleibsel der Edo-Zeit hält sich in Japan wohl nur, weil militante Vereinigungen wie PETA und Greenpeace hier keine Chance haben. :D

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Auf dem Weg zur nächsten Station machten wir halt an einem kleinen Kinderspielplatz, auf dem alle Kinder sofort Reißaus nahmen vor der Horde Ausländer. Grund für diesen Zwischenstopp war eine kleine Erhebung die unser Dozent uns zeigen wollte.

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Man mag es kaum glauben, aber genau an dieser Stelle stand mal der Fuji-san, oder Fujiyama wie man bei uns (eigentlich unrichtiger Weise) zu sagen pflegt. Wie jetzt, was jetzt, hat man den ganzen Berg umgesetzt, oder wie?
Nein, natürlich nicht, aber hier befand sich ursprünglich eine etwa 3-4 Meter hohe Nachbildung des Lieblingsberges der Japaner. Diese Nachbildungen gab es überall in Edo und wurden zwecks Pilgerreise auch als vollwertiger Ersatz für den echten Berg angesehen (zumindest aus spiritueller Sicht). Der Nachbau enthielt ebenso zwei Höhlen die man, mehr oder weniger, begehen konnte und einzelne Stationen zum abpilgern. Zudem war hier, im Gegensatz zum Original, Frauen der Zutritt gestattet. :)
Um diesen Platz herum erinnert vieles an den alten Hügel, überall finden sich Bilder vom Fuji und die Polizei-Wache, Straßen usw. sind alle nach ihm benannt.
Auf der Spitze selbst findet sich nunmehr nur noch eine Marke mit Richtungs- und Entfernungsangabe zum echten Fuji.

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Unsere nächste Haltestelle war der Asama-Schrein, in welchem, die Göttin des Fuji (oder besser gesagt der Fuji in Form einer Göttin) verehrt wird. Allerdings gehört dieser nicht zur eigentlichen Pilgerroute.

Anschließend kehrten wir im Matsuchiyama Shôten ein, einem Tempel, welcher dem Bishamonten gewidmet ist. Dieser gehört zu den “Vier Himmelskönigen” und war in erster Linie der Schutzheilige der Krieger. Darüber hinaus sorgt er für Anerkennung. Die Statue selbst habe ich nicht fotografiert, wohl aber eine schöne Deckenmalerei.

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Zudem hatten wir etwas Glück, denn bei unserer Ankunft fingen gerade zwei Trommler und ein Flötenspieler an, ein Stück auf einer kleinen Bühne zum Besten zu geben.

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Der Rest folgt in den nächsten Tagen.

明けましておめでとう! – Frohes Neues

Ich wünsche allen Lesern, die immer noch regelmäßig gespannt auf den Link dieses Bloges klicken, um zu sehen, was mir hier so widerfährt, ein frohes neues Jahr 2009.

Ich hoffe für jeden, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen und dass er genug Kraft hat, all jenes zu schaffen, was er sich womöglich für dieses Jahr vorgenommen hat.

Das Jahr des Ochsen wird mit Sicherheit ein arbeitsreiches, aber dies sollte uns nicht schrecken, sondern uns dazu anspornen, vom ersten Tage an unser Bestes zu geben.

In diesem Sinne hoffe ich, dass alle ihren Neujahrs-Kater überwunden haben und sich nun voller Elan in die Arbeit stürzen können.

Frohes Neues!

Neujahrs-Glocke

Neujahrs-Glocke